Gute Bäcker sind selten. Umso schöner ist es, wenn man ab und an einen entdeckt, der noch in der eigenen Backstube produziert und dabei leckere Brötchen, Brote und Kuchen backt. Wem es als Bonner nach Endenich zu weit ist, der hat auf der anderen Rheinseite eine Alternative: Bäckerei Dorfinger in Sankt Augustin. Ein bisschen Engagement kostet es schon, sich aufs Rad zu schwingen und fast bis Augustin-Zentrum in die Uhlandstraße 5 zu radeln. Doch lohnt es sich allemal, sich das kleine Haus mit dem flachen Verkaufslokal aus den fünfziger Jahren als Brötchenziel anzustreben. Neben den ganz hervorragenden normalen Brötchen sind besonders die Mohn-Röggelchen als Spezialität zu empfehlen. Wer sicher gehen möchte, dass bei Ankunft auch noch welche da sind, sollte vorher anrufen: 02241-21168.

Tagsüber belebt und für “Kaffee und Kuchen” ideal, ist es auf der Bergmannstraße abends schon etwas schwieriger, eine Location mit sehr gutem Essen zu angemessenen Preisen zu finden. Gut essen: klar, da ist das Bergmann 103, wo sie solide Kochen, das Joséphine, in dem französische Küche zelebriert wird und im Milagro hört sich die Karte stets gut an. Doch richtig nett, auch weil es von Touristen nur selten entdeckt wird, ist das Molinari, das sich auf der Ecke Riemannstraße/Solmsstraße befindet. (more…)

Brot begleitet ein spanisches Essen wie das Wasser den Espresso: ohne fehlt was . Entsprechend gibt es auch im kleinsten Laden frisches Brot zu kaufen. Was besonderes ist das dann meist allerdings nicht und gute Bäckereien mit einer schönen Auswahl und wirklich hausgemachten Backwaren sind selten. Eine dieser Ausnahmen bildet der Horno San Bruno in der C/Feria 87 und 94 in Sevillas Stadtteil La Macarena. Der Laden ist winzig und im Gegensatz zu vielen anderen Hornos kann man dort weder sitzen und Kaffee trinken noch irgend welche anderen Speisen außer Brot und Kuchen erwerben. Dafür gibts dort die ganze Palette der Sevillaner Brotspezialitäten sowie einige außergewöhnlichere Brote wie “pan de miel y naranjas” (auf Bestellung). Besonders gerne mag ich Molletes, das sind flache, nur sehr kurz gebackene fladenähnliche Brote, die sich aufgeschnitten ganz wunderbar für Tostada eignen. Der Horno San Bruno führt sie “klassisch”, also aus weissem Mehl, aber auch aus Vollkornmehl und zusätzlich in der Familienvariante: etwas kleiner, dafür mehr an der Stückzahl. Denn Molletes kauft man hier in der Regel im Fünferpack. Ich empfehle sehr, sie sofort einzufrieren und bei Bedarf auzutauen und aufzubacken/-toasten, sonst werden sie schnell trocken. Wenn man sie dann ordentlich mit Olivenöl beträufelt und mit Tomatenmus bestreicht, ist das ja aber auch nicht so tragisch.

Horno San Bruno
C/Feria 87 y 94
41002 Sevilla/ La Macarena

(Karte )

Tlf. 0034-954903881

Die gastronomische Dynamik in viel bereisten Städten wie Sevilla hat häufig zur Folge, dass es irgendwann an den schönen Plätzen der Stadt (in unserem Beispiel: im Zentrum und vor allem: rund um die Avda de la Constitución) nur noch Restaurants mit teuren Preisen gibt und die günstigeren sich woanders hin verlagern. Qualität und Authentiziät wiederum reisen mit den günstigen Restaurants mit und so entwickeln sich im Lauf der Zeit kleine Ausgeh-Oasen für Einheimische, wo man sich vorher kaum hingewagt hätte.

So geschehen im Falle der Calle Torneo samt Verlängerung: galt dies lange Zeit als eine nicht sonderlich gute Ecke, haben hier durch die Modernisierung eine ganze Reihe guter Bars und Restaurants eröffnet, in denen die Einheimischen Schlange stehen, um von kurzhosigen Touris und deren Entsetzen über “zuviel Fett” unbehellligt ein leckeres Essen einnehmen zu können. (more…)

Als wäre es nicht schon anstrengend genug, die Weisheitszähne (ja, Plural!) gezogen zu bekommen und sich mit den Schmerzen zu plagen, ist die Schlimmste der Strafen auch noch dies: Essen is nich. Zumindest nichts Festes. “In den ersten 24 Stunden nur klare Flüssigkeiten (Tee, Wasser, klare Brühe)”, so informiert mich mein Zahnarzt schriftlich, danach dürfe “für etwa drei Tage” nur breiförmiges gegessen werden. Oh Gott.

Ein Glück, dass die Schmerztabletten praktischerweise ohnehin den Hunger dämpfen. Und doch ist bald die Lust da auf Pasta, auf knusprige Kartoffeln, auf … ich fühle mich wie der Löwe in “Madagascar”, der von Steaks träumt.

Aber zurück in die Realität: Was also tun, damit die Laune nicht noch schlechter wird, weil nix im Magen ist? Kreativ sein und abwechseln. (more…)

Wenn man all die Beiträge über die derzeit so hippen Kochshows liest, erfährt man vor allem eins: dass in jedem Menschen ein tiefes Bedürfnis inne zu wohnen scheint, das uns an den gemeinsamen Herd zieht, auf dem in einem riesigen Topf die Suppe für den ganzen Stamm köchelt. Und weil heutzutage der Stamm nicht mehr gemeinsam isst, schaut man sich das Brodeln der Miraculixe halt im Fernsehen an.

Diese Zeichen der Zeit hat der Besitzer des münsteraner Gemüselädchens Peperoni auf der Wolbecker Straße 24 schon längt erkannt: Mit persischer Weisheit bereitet Djahan wochentäglich ein schmackhaftes Mahl in einer großen Pfanne, aus der dann jeder Hungrige für fünf Taler sein Bäuchlein füllen darf. Die Büffel und Mammute bleiben dabei vor der Tür: der Mittagstisch ist pur vegetarisch.
Wem die Plat du Jour nicht gefällt oder mehr Lust auf kalte Köstlichkeiten hat, wird zwischen Couscous-Salat und eingelegten Artischocken bestimmt auch glücklich. Für den Nachtisch stehen orientalische Süßigkeiten und Trockenfrüchte aller Art im Angebot. Und wer vom Stammeserlebnis beschwingt und inspiriert fühlt, abends zuhause den Kochlöffel zu schwingen, kann bei Peperoni zusätzlich alle frischen Zutaten erwerben.

Auch wenn abends die Küche kalt bleibt, wird dennoch zum heimeligen Abend geladen: Mal wird Jazz gespielt, mal Märchen erzählt und auf traditionellen Instrumenten auch musikalisch orientalischer Flair in das liebevoll dekorierte Ladenlokal geholt.

GemüseSkulptur: Peperoni
Wolbecker Straße 24
48155 Münster
(0251) 664020
www.gemuesekultur.de
Öffnungszeiten: Mi-Fr 9-20 Uhr; Sa 9-18 Uhr

Mitten in Mitte sind Hungerattacken so eine Sache: Man wandelt nichtsahnend vom Hackeschen Markt und plötzlich ist der Besuch unglaublich hungrig. Nicht dass die Gegend gastronomiefrei wäre, bewahre! Doch widerstreben mir allzu touristische oder noble Locations, wenn ich eigentlich gleich wieder weiter ziehen und ziemlich eigentlich auch was Leckeres essen möchte.

Eine gute Zuflucht bietet hierfür New Asia Snack in der Münzstraße 22. Frische Gerichte, soweit auf den ersten Blick beurteilbar mit wenig oder gar ohne Geschmacksverstärker und gleichzeitig so große Portionen, dass sie bei Monsieur Vuong glatt zwei draus machen würden.

Wir waren gleich zweimal hintereinander dort: Meinen Besuch entzückten die scharfe Thai-Suppe mit Rindfleisch (1,80 €) und das gebratene Rind mit Currysauce (4,50€). Der Fisch - auch in Currysauce (4,50€) -war etwas zu sehr fritiert, die Soße aber dennoch lecker. Bei den vegetarischen Gerichten empfehle ich an erster Stelle das Chop Suey (auch mit Tofu erhältlich); gute gewürzt und scharf, doch etwas zu salzig war das Tofu-Curry nach Thai-Art. Auch die vegetarische Gemüsesuppe (1,50€) war lecker, ohne Fertig-Würze und dem Anschein nach wirklich auch mit Gemüsebrühe - oft bekommt man ja doch eher eine Hühnerbrühe serviert.

Dass zahlreiche asiatisch aussehende Gäste anwesend waren, interpretiere ich als zusätzliches Qualitätsmerkmal.

New Asia Snack
Münzstr. 22
10178 Berlin
030-24726477

Es gibt wohl wenige Süßigkeiten, an denen sich die Geister so sehr scheiden wie an Lakritz. Ein schwarzer Himmel auf Erden für die einen, erinnert es die anderen an Hustentee, wenn sie es überhaupt essen können. Auch national scheint es Vorlieben zu geben: süß und weich in Deutschland, eher hart und oft auch salzig und/oder sauer in den Niederlanden, al dente und doch süß in Italien.

Die komplette Palette bieten in Berlin mittlerweile mehrere Läden zu Probe an. Einer davon ist lecker-lakritz.de, der derzeit auf verschiedenen Wochenmärkten (u.a. Maybachmarkt) vertreten ist. Im Angebot ist süßes und salziges Lakritz mit und ohne Gelatine, aus konventionellen und aus Biozutaten und es gibt sogar Lakritz für Gluten-Allergiker. Auch kado in der Kreuzberger Gräfestraße lässt die Herzen der Liebhaber des schwarzen Goldes höher schlagen.

Wer je in Bonn gelebt hat, weiss, wie intensiv Lakritz riechen kann (von der Haribo-Fabrik weht bei günstigem Wind die volle Ladung einmal über die Stadt), doch wer weiss schon, wie es hergestellt wird? Wie ein ausführlicher Artikel in der Dezember-Ausgabe (7-12/07) von “Ernährung im Fokus” beschreibt, werden frische Süßholzwurzeln zerkleinert und dann mit Hilfe von Wasserdampf über Tage hinweg ein dickflüssiger Saft extrahiert. Dieser wird dann fast zwölf Stunden lang eingekocht und schließlich zu Pastillen, Stäben oder Schnecken geformt. Weich wird dieses pure Lakritz erst durch den Zusatz von Naturharz oder, im Falle der hierzulande beliebten Varianten, von Gelatine und ähnlichen Zutaten. Wer es lieber pur möchte, fährt dafür am besten nach Kalabrien - oder schaut mal beim Stand von Lecker-lakritz vorbei.

Der Artikel in der eif ist hier zu beziehen; leider ist er derzeit nicht über das Archiv zugänglich.

Münster ist ein bisschen das Freiburg Nordrhein-Westfalens, zumindest was die Zahl der Fahrradfahrer betrifft. Deutlich höher als im Breisgau allerdings ist die Dichte der Perlenohrring-Trägerinnen, der T.H.-eingekleideten Schnösel im Teenie-Alter und der CDU-Wähler. Neben all dem wohlhabenden städtischen Bürgertum ist da noch der reichlich vertretene Landadel, der sich - genau wie ich als Touri - samstags gerne die Füsse auf dem Markt vertritt, einen Kaffee hier, einen Multivitaminsaft dort trinkt und als leichten Snack ein Pannino zu sich nimmt.

Der Kontrast zwischen ökigen Studenten und rosa behalstuchter Klientel scheint kreativitätsfördernde Wirkungen zu haben: im Gegensatz zu Bonn, das weder über erstere noch letztere verfügt, enstehen in Münster immer mal wieder nette Cafés, Restaurants und Läden, deren Charakter über den einer kleinstädtischen Eisdiele oder wahlweise eines Franchise-Cafés hinausgeht. (more…)

Kaum ist man mal ein halbes Jahr nicht da, eröffnen jede Menge neuer Läden. Na gut, jede Menge ist übertrieben, aber dass an der nicht soo frequentierten Ecke Franzstraße/Weiherstraße das ehemalige Babel, die letzte rockig-punkige Kickerbastion, schließt und dafür ein Café eröffnet, das sich dem McDonalds-Stile verwehrt - wer hätte das gedacht? Die einst stets dunklen Fenster geben sich nun viel Mühe, soviel Licht hereinzulassen, wie es an dieser dunklen Ecke möglich ist. Eine Wand ist edel mit einer nachtblau-Gold gehaltenen Tapete dekoriert, ein Teil der Stühle wurde passend dazu ausgewählt und im Gegensatz zu vielen anderen Läden, haben sie es geschafft, für jeden Platz so etwas wie Privatssphäre zu schaffen. Das mag auch daran liegen, dass der Raum an sich nicht sonderlich groß ist - in meinen Augen eine Erholung im Vergleich zu den abwischbaren, kantinenähnlichen Hallen des Giaccomo, Roses und Einstein, in denen man sich verläuft und ständig friert.

Gegessen habe ich im Café König noch nicht, doch wirds nach dem Bonner Bloggerbrunch sicherlich vielzählige Meinungen zur Location und zumindest dem Frühstücksangebot geben, auf die ich schon sehr gespannt bin. Auf bnlog.de gibts schon ein paar Fotos zum Café. (Übrigens war ich vor dem Post auf bnlog im Café und habs mir in meine zu-bloggen-Liste notiert, nicht dass ich der Einfallslosigkeit oder gar des Plagiats bezichtigt werde!)

Café König
Franzstr. 36
53111 Bonn

Karneval ist ein bisschen wie Kaffeetrinken: Erst findet man’s bäh, und wenn man einmal Blut geleckt hat, kommt man nicht mehr davon los. Und man hat dann auch verstanden, dass der eigene Alkoholpegel genauso wie die Zahl fremder Hände am Hintern durchaus kontrollierbar sind. Nichtsdestotrotz nimmt man Alkohol zu sich, und da es zudem an Karneval immer saukalt ist, steigt das Bedürfnis danach, etwas Deftiges zu essen.

Günstiger könnte hierfür die Frittebud in der Bonner Franzstraße nicht liegen: Neben Bla und Nachtschicht und unweit all der Kneipen auf der Maxstraße befindet sich hier ein kleiner, feiner Imbiss. Da is nix mit tiefgekühlte Rindshackfrisbees in die Frittös’ werfen und zwischen zwei Labberbrötchen quetschen - nee, dat wird vor den Augen des Kunden frisch zubereitet, wird aufgeschichtet mit diversen klassichen und ein paar modernen Zutaten zu einem riesigen Burger, der dann mittels Holzspieß zusammengehalten wird. (more…)

Lissabon also. Paris des Südens, Hautpstadt der Melancholie, San Fransisco Europas. Ende Dezember endlich konnte ich mich auf den Weg machen und war vom ersten Augenblick an verzaubert. Liegt das an der salzhaltigen Luft, die der Antlantik häufig in ordentlichen Windböen durch die Stadt weht? An den paffenden Kohleofen, in denen Kastanien geröstet und auf der Straße verkauft werden? An den hübschen schwarz-weissen Pflastersteinen, die in immer neuen Mustern die Innenstadt durchziehen? Ich fühlte mich an Lisbon Story erinnert, wo der Protagonist im komplett leeren Haus seines Freundes ankommt und sich trotzdem sofort heimisch fühlt. Ein Gutteil sind es auch die Menschen, die so offen und freundlich jeden Fremden willkommen heißen - und sich nicht darum scheren, ob er ihre Sprache versteht, sondern einfach drauflos erzählen. Das kann manchmal zu herrlichen Missverständnissen führen, über die sich am Ende alle gemeinsam kaputtlachen.

Und wieder einmal zeigte sich, wie sehr Essen die Menschen verbindet: Selten habe ich so viel über Essen gesprochen und so viel verschiedenes und neues probiert wie in Lissabon. Den Italienern sagt man ja nach, dass sie auch gerne übers Essen reden, doch ich bin sicher, dass sie darin von den Portugiesen noch getoppt werden. Umso besser für mich, denn so bekam ich allerhand Tipps, was ich wo noch probieren solle und dass ich ohne dies und jenes zu kosten, nicht fahren dürfe. (more…)

“süßwaren mit milch die es nicht gibt”. Wie? Doch, genau so hat jemand neulich gegoogelt und kam dabei auf meinen Blog. Fragt mich nicht wie, ich wüsste nicht, dass ich das irgendwo geschrieben hätte. Geht man nach den weiteren Sucheinträgen, erlebt das Boccondivino derzeit seine Blütezeit, ist das Café Fleury allseits beliebt und muss sich die Cucina Casalinga Populare-Crew nun wirklich keine Sorgen machen. Auch Kokosmakronen werden offensichtlich gerne gegessen und wer noch nicht bei Mustafas Gemüse-Döner war:also dann nix wie hin bitte (sie machen etwa um 3 Uhr morgens Schicht). Wie war das Leben langweilig ohne Suchstatistik!

Das habe ich mir anders vorgestellt: zurückkommen aus Lissabon am 23. Dezember, all die mitgebrachten Leckereien auspacken und sie an einem der Weihnachtstage genüsslich mit Freunden verspeisen. Denkste; im Gepäck war auch eine ordentliche Erkältung, die mich die ganze Woche außer Gefecht setzte.

Irgendwann war ich dann wenigstens wieder fernseh-fähig, sodaß ich mir endlich die Folgen von Jamie at Home ansehen konnte. In der Sendung zu Zwiebeln brutzelt er in einem Outdoor-Holzofen, der mir den Atem raubt und den Neid auf die Stirn schreibt, ganz grandios Kartoffeln und rote Zwiebeln, und zwar in einer Marinade aus Olivenöl (haha, was sonst bei Jamie), Rosmarin, Lorbeer, Butter und: einer halben Flasche Balsamicoessig. Letzteres hört sich erstmal wild an, sieht aber superlecker aus und was man so im Netz liest, hat sich das Rezept bewährt und regte auch in Australien zum Nachkochen und begeisteren Verspeisen an. Mit etwas Glück findet man das Video über diese Seite oder diese.

Das Prinzip: (more…)

Foodblogs war gestern, jetzt gibts welche zum Thema “Was man besser nicht essen sollte“, empfohlen vom Geniesserblog. Letzterer sehr nett und leider eingestellt, ersterer … urgs … sieh selbst:  The Sneeze.

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