Architektonisch ist die Calle Sinai keine Straße, in die sich ein Touri mit seinem Reiseführer der Optik wegen hinverirrt. Aber kulinarisch ist die Straße, die etwa parallel zu Luis Montoto führt, das absolute Mekka. Es gibt diverse Bars und in allen scheinen die Köche ihr Handwerk mit absoluter Hingabe zu vollführen. Sei es im etwas größeren Restaurant oder in unsrer Soap-geeigneten Stammkneipe “la Sacristía” (hier unbedingt den Vino Dulce probieren; zur Erleichterung: die Dame hinter der Theke heisst Patricia): das Essen ist frisch, superlecker und man bekommt einige Gerichte, die woanders einfach nicht serviert werden. Für Menschen, die nichts lieber als Fleisch essen, befindet sich dort (Ecke an Ecke mit der Sacristía) zum Beispiel auch ein Laden, den ich als “Rippchen-Grill” übersetzen würde, der in Wahrheit aber auch geschmorte Putenschenkel und allerlei Braten im Programm hat. Vor allem macht er aber die beste Sauce zu Patatas Bravas. Und die eingelegten Rote Bete sind auch ganz hervorragend. Nicht zu vergessen das Casa Paco, siehe hier.
Mein erster Kontakt mit der Calle Sinai war gleich sehr lehrreich: von einer Freundin hatte ich per Telefon den Treffpunkt erfahren und da sie als in Spanien lebende Schottin die Aussprache nicht so genau nahm, war bei mir “wir treffen uns in la christia” angekommen. Nun muss man wissen, dass diese Straße zwar zentral, doch weitab der Festbeleuchtung des nahe gelegenen Einkaufszentrums Nervion Plaza liegt. Vielmehr gelangt man zu ihr, wenn man sich durch kleine Querstraßen schlängelt, in denen es einige unheimliche Ecken gibt. Dort angekommen ist man erstmal ratlos: eine Bar hier, eine Bar dort, jede voller Leute, keine trägt einen Namen. Drum trug ich in einem Kiosk meine Frage nach la christia vor. Das hätte ich besser nicht getan, denn nun folgte ein langer, auf bestem andalusisch gehaltener Vortrag über die Bräuche der katholischen Kirche. Nicht ohne mich vorwurfsvoll anzusehen und mir in Druckbuchstaben SACRISTIA auf einen Zettel zu notieren. Derart vorbereitet konnte ich die kleine Bar nicht mehr verfehlen und bin wie ihre Stammgäste dem Charme des Kochs verfallen. Auf zwei halben Quadratmetern zaubert der ehemalige Schuster Köstlichkeiten der regionalen Küche. Und hat dabei, wenn auch unbeabsichtigt, auch immer etwas Vegetarisches im Angebot. Rund um Weihnachten wird mit einer gemeinsamen Paella gefeiert, was dann in feuchtfröhlichen und sehr lustigen Wünschen fürs nächste Jahr endet.
C/Sinai, zu erreichen mit allen Bussen, die zu Nervion Plaza fahren. Gegenüber des Seiteneingang des Corte Ingles liegt eine Filiale der Libreria Beta. Diese Straße bis zu Ende gehen und schon stößt man auf die Calle Sinai. Zur Linken liegt das Casa Paco, wendet man sich nach rechts, findet man schräg gegenüber ein sehr gutes Grillrestaurant und ca 200 m weiter la Sacristia und den Asador.