Foodnerds erkennt man wunderbar daran, dass sie wie ich von Reisen immer mit einem Koffer voller Lebensmittel zurückkehren. So als ob es an ihrem aktuellen Wohnort nichts zu essen gäbe. Was mitnichten der Fall ist, aber spannender ist es allemal, allerlei Goodies zu importieren. So auch von meiner letzten Reise nach Manchester. Bilanz nach drei Tagen: Hinfahrtsgepäck 9,7 kg, Rückfahrt: 14,4 kg. Neben einem Pulli, einem Pullunder und zwei entzückenden Tassen kam dieses Gepäck zustande durch einiges, was ich bei meinen Streifzügen durch Sainsburys, Marks&Spencer sowie diverse kleine Grocery Stores und Delis erworben habe.
Und wie schön ist es doch, wenn man sich auf Reisen von Vorurteilen komplett befreien kann. Denn Manchester, tja, was fällt dem noch nicht vor Ort Gewesenen dazu ein? Rußgeschwärzte Häuser, Fußball, saufende Jungs. Letztere gibt’s sicher, Fußball ist noch, aber staubig-schwarz ist passé. Die Innenstadt ist voller sichtlich neu restaurierter Bauten, die mich an London erinnern. Daneben viele ehemalige Industrie- und Gewerbebauten aus Klinker, die von der Renaissance der Industrieromantik profitiert und sich in schnucklige bis fast artifizielle Monumente verwandelt haben. Über die ganze Stadt verteilt finden sich immer wieder kleine Ansammlungen von nette Läden und Cafés. Das sogenannte Northern Quarter zog in den letzten Jahren kleine Spezialgeschäfte, hippe Friseure, themenbezogene Buchhandlungen und Klammotenshops an.
Lecker Limonade in Lichten Höfen
In eine der dortigen ehemaligen Markthallen hat sich das Manchester Crafts & Design Centre hineingekuschelt. An den einzelnen Ständen sind noch die ursprünglichen Aufschriften zu erkennen: fish, mussels, cheese …
Nun offerieren dort Kunsthandwerker vom Goldschmied bis zum Papierschöpfer ihre Kreationen. Und mittendrin befindet sich das Café Aromat, das ich zu einem meiner Lieblingsorte erköre, wäre ich sesshaft in Manchester. Dort sitzt man im sonnendurchfluteten Lichthof, genießt Kaffee und Kuchen oder stärkt sich bei einem der Mittagsgerichte, die auch für Vegetarier einiges offerieren. Im Gegensatz zu vielen deutschen Kunst-Cafés ist das Café Aromat nicht gezwungen-steril. Stattdessen sorgen sichtlich oft benutzte Stühle und Tische für Gemütlichkeit und wecken in mir das Vertrauen, dass man hier ruhig hingehen kann, da es offensichtlich stark frequentiert wird. (Auch hier sind Fentiman’s (mehr über Fentiman’s) sowie andere hübsche Limonaden wie Belvoir Cordials im Angebot)
Klassisch: Fish’n'Chips
Wem nach deftigerer Küche ist, kann gleich um die Ecke in einem entzückenden Fish’n'Chips-Shop die namensgebenden Speisen erwerben. Entzückend deshalb, weil die Einrichtung vermutlich noch aus der Zeit stammt, als die angegrauten Herren hinter der Theke ihr Business in ihrer Jugend eröffneten. Die Gelassenheit, mit der sie die Chips aus dem Vorratsbehälter holen, uns anbieten, trotz to-go-Preises Platz zu nehmen und Sonderwünsche klaglos ausführen, zeugt von der Routine derer, die schon alles gesehen haben. Mit einem strahlenderen Lächeln habe ich noch nie meine Pommes serviert bekommen!
Trash im Northern Quarter
Frisch gestärkt für neue Abenteuer, wühlten wir uns in der Parallelstraße, der Oldham Street, durch ein Geschäft für Stoffe und Handarbeiten. Ein kleines Paradies für alle Dekointeressierten und ein absoluter Muss für Trash-Liebhaber! Im vorderen Bereich kann man Stoffreste (das ist verniedlichend, manche Coupons haben 10m) durchforsten, die teilweise sehr lustige Dekors aufweisen. Antizyklisch erhält man dort feinste Weihnachtsdekore im Frühjahr, ganz besonders aber hatte es mir das Pin-up-Dekor angetan. Noch lustiger aber ist die Aufkleber-Ecke, in der ein solcher Trash angeboten wird, wie ich ihn mir nie hätte ausdenken können. Für ganz harmlos Handarbeitende gibt?s aber auch die klassische Ware: Wollknäuel, Stricknadeln, Kurzwaren.
Eine weitere interessante Gegend ist der Bereich um die Uni, oder besser: eine der Universitäten. Dort hat sich auch The 8th Day Co-operative niedergelassen. Wer sich so optimistisch benennt, muss ja zwangsweise einen Bioladen betreiben. Dieser befindet sich im Erdgeschoss und gleich neben dessen Eingang führt die Treppe ins Souterrain zum angeschlossenen Bistrot. Dort werden vegetarische und vegane Speisen zu Studipreisen serviert. Getestet haben wir die Pizza Margherita, die mit einem dünnen Boden und knusprig gebacken serviert wird. Für meinen Geschmack fehlte etwas Salz, ansonsten war sie lecker. Zuverlässige Quellen berichten, dass der vegane Schokokuchen im Café allerdings eher Wüstensandcharakter haben soll, was durch die im Laden oben verkaufte leckere Schokotorte wieder ausgeglichen werde. The 8th Day verkauft neben diversen internationalen Biersorten (Früh-Kölsch) auch das Fentiman’s-Sortiment. Ab und an werden an einem großen Tisch im Bistrot Workshops zu Creative Writing und anderen Themen abgehalten.
Im südlichen Teil der Stadt liegt der Stadtteil Didsbury. Dass er fast so weit wie ein Vorort vom Zentrum entfernt ist, ließ ein lebhaftes eigenständiges Leben entwickeln. Es gibt dort eine Reihe reizender Läden und Cafés und wer die Zeit hat, sollte unbedingt dort vorbeisehen. Und klein ist Didsbury bei weitem nicht: man sollte schon wissen, ob man in West oder East Didsbury nach Leckereien sucht.
Bei Slugs and Lettuce in East Didsbury sitzt man nett-modern in der Sonne und kann -den namensgebenden Schnecken gleich – unter anderem zwischen diversen Salattellern wählen. Auf der gleichen Straße, der tonangebenden Wilmslowroad, befindet sich das Café Saints and Scholars. Dicht an eine Kirche gekuschelt, muss man nicht lange rätseln, woher der Name stammt. Sie servieren mit Begeisterung englische Hausmannskost. Man sitzt sehr romantisch auf Eisenstühlchen vor einer efeubewachsenen Mauer – im sonnigen März 07 ein großartiger Ort.
In West Didsbury schließlich befindet sich der Feinkostladen Fusion Deli. Neben den einer hervorragenden Auswahl englischer Käse kann man dort vor allem französische und italienische Delikatessen und vereinzelt auch Feinkost aus anderen Ländern erwerben. Sie führen außerdem verschiedene Sorten Kuchen und Wein.
Direkt um die Ecke befindet sich das [Name wird nachgetragen]. Stilsicher sind dort 70er, 50er, zeitlos englisch Rustikales und ein bisschen Moderne gemixt. Die Sammlung an entverzückenden Kronleuchtern vor der Farntapete hat es mir besonders angetan.Serviert werden kleine Snacks, Frühstück und Café. Bei der Bestellung von Extrawünschen muss man sehr genau sein, sonst bekommt man den Bagel doch mit Lachs statt anderer Füllung. Der Charme und die Freundlichkeit des Kellners machen dies aber wieder wett. Schräg gegenüber befindet sich das [Name wird nachgetragen]- auch dort kann man gut frühstücken und plaudern.
Cafe Aromat im Manchester Crafts & Design Centre
17 Oak Street (Northern Quarter)
Manchester M45JD
www.craftanddesign.com
Fish & Chips
Tib Street, Ungefähr auf Höhe Carpenters Street. Dort hängt eine halbe Kuh aus Pappmaché an der Wand.
Von der Tib Street besteht ein verkehrsberuhigter Zugang zur Oakstreet und läuft auf das Manchester Crafts & Design Centre zu.
The 8th Day Cooperative
111 Oxford Road (Gegenüber der Metropolitan Uni)
9.30am ’til 7.30pm Monday to Saturday
Closed Sundays and Bank Holidays
Slugs and Lettuce
651 Wilmslow Road, East Didsbury, Manchester, M20 6QZ
Saints and Scholars
694 Wilmslow Road, East Didsbury, Manchester, M20 2DN
Saints Scholars Cafe, East Didsbury
Fusion Deli, 109, Lapwing Lane, West Didsbury
Siehe auch hier
Veggie-Restaurants sind hier zu finden http://www.faqs.org/faqs/vegetarian/guide/europe2/
und hier http://www.guardian.co.uk/travel/2007/may/22/restaurants.restaurants