Wenn es um Laugengebäck geht, bin ich eine Vollblut-Schwäbin und unterziehe jede Brezel, die nördlich von Heilbronn gebacken wurde, einer höchst kritischen Prüfung. Umso erstaunter bin ich, dass mitten in Berlin wirklich leckeres Laugengebäck zu Südpreisen verkauft wird. Und dies in einer Bäckerei, die unter fester südosteuropäischer Regie steht! Außen sind Weckle, Stangen und Brezeln von genau der richtigen, widerstandsfähigen Konsistenz, mit leicht elastischer und durch die Lauge salzig-bitterem Geschmack. Das Brezel-Kreuz knusprig, der dickere Teil weich. Farblich genau richtig in diesem Ton sonnengebräunter Haut dunkelblonder Menschen. Die Krume weich und saftig, leicht süßlich und buttrig, dabei aber nicht teigig. Das Geheimnis besteht nach Aussage der Bäckersfrau darin, dass sie sie „ohne Luft“ (dies mit leicht türkisch klingendem Akzent gesprochen) bäckt.
Beim Verzehr bin ich dann nicht mehr traditionell schwäbisch. Statt der Butterbrezel ziehe ich als Aufstrich Doppelrahmfrischkäse (Rufname: Buko oder Exquisa) vor und finde, dass diese Kombi jeden Bagel um Längen schlägt. Im Idealfall dekoriert man noch ein paar frisch geschnippelte Schnittlauchröllchen darauf, die kurz vorher noch der Sonne ihre Spitzen entgegenstreckten oder ein paar Radieschenschnipsel. Für Fleischesser empfehle ich gute Kalbsleberwurst plus Scheiben von sauren Gurken.
Übrigens: Wenn es früher mittags schnell gehen musste, kaufte meine Mutter Brezeln und Laugenstangen, eine Packung Kräuterquark, wir schnippelten ein paar Gurken und Tomaten, setzten uns auf den Balkon in die Sonne und dann ging das Laugen-Fondue los. Besser als jede Fertigpizza!

Kleine Backstube
Kreuzbergstr. 24
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