Reisen bildet, vor allem den Geschmack. Dies fand auch Gernot Katzer, als vor gut zehn Jahren dreizehn Monate durch das tropische Asien reiste und tief beeindruckt von der dortigen Aromenvielfalt zurückkehrte. Er wollte mehr wissen: Was war das alles, was er dort gegessen hatte, wie heißen die Gewürze, wo kommen sie her, wofür verwendet man sie?

Von Haus aus Chemiker und so an intensive Recherche gewöhnt, blieb es bald nicht mehr bei ein paar Büchern, aus denen er sich sein Wissen aneignete. Dieses mochte er auch nicht bei sich behalten und so baute er, vom Schwung der Internetwelle 1996 mitgerissen, Gernot Katzers Gewürzseiten auf, die sich mittlerweile zu einem komplexen Kompendium der Gewürzkunde entwickelt haben.

Dort lernt man, wie viele Sorten Basilikum es gibt und woher die Namen stammen. Es werden exotische Gewürze wie Paradieskörner vorgestellt und auch Verweise auf antike Gewürze wie Silphion halten diese Seiten bereit. Da Katzer die Gewürznamen in vielzähligen Sprachen anbietet – darunter Urdu und Aserbeidschanisch – und die genaueren Daten auch auf Englisch notiert hat, wird sein Lexikon weltweit von täglich über 4500 Nutzern konsultiert. Die Informationen hält er aktuell durch seine Sammlung der besten Bücher am Markt und er hat – berufsbedingt – Zugang zu umfangreichen wissenschaftlichen Daten. Außerdem schicken ihm Leser Büchertipps und Infos zu weiteren Gewürzen. Die fremdsprachigen Namen verraten ihm Gewürzhändler, die ihm auch so manchen Hinweis auf die authentische Küche ihres Heimatlandes geben.

Soviel geballtes Wissen findet nicht nur Nachahmer: Katzer kann von einem Fall berichten, in dem ihm eine Dame ihr Wohlwollen über seine Seite Kund tat, ihn aber höflich darauf hinwies, er möge doch die Quellen seiner Texte angeben, wenn er so wörtlich aus einem Buch zitiere. Es stellte sich bei Nach­for­schungen heraus, dass es im Gegenteil der Verlag war, der wortwörtlich mehrere Passagen übernommen hatte.

Katzers Enthusiasmus für die Welt der Aromen wird dadurch aber nicht gedämpft: Vielmehr steckt er nun alle Energie in eine Ausstellung über Gewürze, für die ihn das Oldenburger Landesmuseum für Natur und Mensch engagiert hat und das allein über seine Website auf ihn aufmerksam geworden war. Die Ausstellung wird dort ab September 2007 gezeigt und wandert anschließend zu drei weiteren Standorten. Katzer wird begleitend auch ein Gewürzkompendium in Prinform schreiben und ein Kochbuch herausbringen, bei dem ihm die möglichst authentischen Rezepte am Herzen liegen. Hat Gernot Katzer eigentlich ein Lieblingsgewürz? Er möge sehr vieles, antwortet er bedacht, aber Süßholz und den kleinen Galgant fände er dann doch besonders spannend.

 

http://www.uni-graz.at/~katzer/germ/index.html

 

Dieser Artikel ist als Print-Version in SCHNÜSS, Ausgabe November 2006 erschienen.