Wanderer, kommst du nach München, dann sei dir gewiß: hier ist das Reich der Fleischesser. Dazu braucht man gar keinen Reiseführer, das ist alloffenbar. Betritt man den Viktualienmarkt vom Rathausplatz kommend, empfangen einen Leberkäse, Weisswürste und Grillhaxn. Mehr dekorativ als ernstgemeint, gibt es auf dem Markt auch Gemüse aus der ganzen Welt zu kaufen, darunter an sehr hübschen Ständen zehn Sorten Tomaten und Chili. Aber wer als Vegetarier hungrig kommt, muss hungrig gehn. Zumindest, bis man den Falafelstand am isartorseitigen, östlichen Ende des Marktes entdeckt, und bis man sich – möchte man so lange speisen – des vegetarischen Restaurants Buxs in der Frauenstraße 9 gewahr wird. Die Falafel sind frisch und werden mit reichlich Salat serviert, nur der Preis von 4,50 Euro ist aus Berliner Sicht teuer. Noch tiefer in die Tasche greifen muss man im Restaurant, das früher (vor über 15 Jahren) einen anderen Namen trug, an den ich mich nicht erinnere. Sehr wohl erinnere ich aber die hervorragende Soße, die damals zu den knusprigen Hirsebratlingen serviert wurde. Leicht nussig, vermutlich mit Eigelb gebunden, war sie ein Lichtblick im Vollkorn-Mehlschwitzen-Einerlei der frühen 90er Jahre. Die Speisen im Bux habe ich diesmal nicht probiert. Sie haben aber gerade ein Buch herausgebracht, das erahnen lässt, dass man dort bei stolzen 2,80 Euro/100g auf seine Kosten kommt.
Direkt um die Ecke gibts übrigens in Vee`s Kaffe & Bohnen [mit Glück auch hier] in der Frauenstr. 18 hervorragenden Espresso und vielgelobten Kuchen. Geht man die Frauenstraße weiter Richtung Isartor und biegt dann links ab aufs Tal, kommt man kurz vorm Tor zu einem vegetarischen Imbiss, der allerlei Wraps, Falaffel- und Halloumi-Kombinationen und weitere To-Go-Spezialitäten anbietet.
Hat man die Münchner Highlights durchwandert (für mich wird das immer das altgewohnte Dreieck Isartor-Viktualienmarkt-Platzl sein), sehnt man sich nach der Schubeck-Welle (5 Restaurants und ein grottiger, sauteurer Gewürzladen!) und der Eisbein-Attacke am Platzl geradezu nach normaler, weil städtischer Kost. Immerhin ist München ja Großstadt, und so hat man es auch dort nicht weit, zu einem ruhigen, wenn auch superzentral gelegnenen vegetarisch und veganen Imbiss. Zerwirk Deli und Restaurant heisst das Ziel, das in der Ledererstr. 3 zu finden ist. Außer Sonntag werden dort täglich von morgens zehn bis abends zehn kleine Snacks im lichten Kellergewölbe und ganze Menüs im um die Ecke gelegenen Restaurant serviert. Wer möchte, kann im Gewölbe auch einkaufen. Neben Gemüse und Hardware wie Nudeln, Reis etc. kann man für das Mahl ausgewählte Weine erwerben. Hier hat die Ironie des Schicksals zugeschlagen — der Name stammt von der früher in den Räumlichkeiten befindlichen Institution: hier wurde das im Umland erlegte Wild geschlachtet, zerlegt (zerwirkt) und an die Münchner Restaurants vertrieben. Davon zeugt noch heute das Restaurantschild. Weitere Adressen für vegetarische Restaurants bzw. Orte, wo man auch ohne Eisbein glücklich wird, findet man hier.

