glocke21.jpg

Woher eigentlich stammen die Vorstellungen, die man von bestimmten Städten hat, auch wenn man noch die da war? Klar, von manchen hat man schon viel gehört und viele Bilder gesehen: Paris-Eiffelturm, Pisa-schiefer Turm, Berlin-Reichstagskuppel. Logo. Aber Erlangen? Was bitte weiss ich über Erlangen, außer, dass es sehr viel Wissenswertes über diese Stadt gibt? Und trotzdem entsprach dieses lauschige, 103 Tausend Einwohner umfassende und damit den Titel Großstadt führende total ungroßstädtische Städtchen meinen Vorstellungen: Viel alte Bausubstanz, viel Sandstein, viele Schnörkel. Donnerstags Markt auf dem größten Platz der Stadt, kleiner Bahnhof, viele Einkaufszentren. Bei vielen Städten muss man hier einen Punkt setzen. Nicht so diese. Erlangen verfügt über eine sehr renommierte Universität, ist führender Standort im medizintechnischen Bereich und hat außerem ein bekanntes Theater. Nicht zu vergessen die Kneipen gegenüber dem Theater: Man ist fast geneigt, sich das “Verweile doch, du bist so schön” umzudichten in ein “ich verweile noch, hier ist’s so schön”. Denn da ist zum einen die Theater-Traditionskneipe Jürgen Sigwarts Kulisse. Hinter dem nicht wirklich originellen Namen verbirgt sich eine Serviceoase, in der sehr gutes Essen in großen Portionen von fröhlichen Kellnern serviert wird. Neben zünftigen regionalen Spezialitäten hat sich Jürgen der spanischen Küche verschrieben und bietet dabei so spezifische iberische Spezialitäten an, dass sie einfach auf langjährigem Aufenthalt basieren müssen. Für Vegetarier ist nicht wirklich viel dabei, doch diesen Kummer ist man aus Spanien ja gewohnt. Dennoch geht man auf der Speisekarte nicht leer aus: Vegetarische Schinkennudeln werden dort für 7,60 Euro angeboten. Erfolgt die Bestellung noch misstrauisch, weckt spätestens das duftende Nudelgebirge mit Schafskäse, getrockneten Tomaten und Paprike volles Vertrauen in den Koch. Serviert wird diese Kuriosität mit einem kleinen Salatteller mit sehr frischen, inhouse zubereiteteten Zutaten und einer hausgemachten Joghurtsauce. Als Getränk ist das lokale Kitzmann Bräu zu empfehlen: sehr würzig, leicht süßlich und doch ausreichend herb, um auch Pilstrinker wie mich zu befriedigen.

Siegbarts Kulisse
Theaterstr. 8
91054 Erlangen
glocke1.jpg

Und zum andern findet sich nur ein paar Meter weiter das Café Glocke. Im behutsam restaurierten Fachwerkbau wird moderne, mediterran geprägte Küche angeboten, die sich nachmittags durch ein enormes Kuchenangebot ergänzt. Der Kaffee wird nach Wunsch und nicht auf Knopfdruck bereitet; wer lieber koffeinfreie Getränke möchte, kann zwischen verschiedenen Säften, Wassern und italienischen Limonaden wählen. Das gemütliche Ambiente dient häufig als Atmospährengeber für Lesungen und ähnliche Events. Gegesssen habe ich hier Tagliatelle mit Ruccola und Tomaten, die in einer leichten Sahnesauce serviert wurden. Die Portion war überschaubar, das Gericht aber mächtig, sodass man nicht hungrig hinaus ging. Für Kuchen war kein Platz in meinem Magen, doch sahen sie alle hausgemacht, frisch und lecker aus. Preislich ist man bei großem Hunger in der Kulisse besser bedient, grundsätzlich nehmen sie sich dabei aber nicht viel. Wenn der Wein hält, was die großen Weingläser versprechen, kann man sehr zufrieden sein.

Glocken Café
Glockenstraße 4
91054 Erlangen

Di – Sa 10:00 – 20:00 Uhr So 10:00 – 17:00 Uhr; Montag Ruhetag