Strahlender Sonnenschein am letzten Wochenende lockte mich trotz Erkältung nach draußen. Ziel war der Müggelsee mit einer Einkehr in der Köpenicker Altstadt. Ich war vorher weder an dem einen noch dem anderen Ort gewesen, hatte nur bestes gehört und von meinem Begleiter nochmals wärmstens ans Herz gelegt bekommen. Die Versprechen wurden gehalten; der See ist ganz großartig und man kann auf einem sehr gut ausgebauten Radweg einmal rundherum fahren. Direkt an der Fähre (die von Anfang Oktober bis Ende März Winterpause hat!) unterquert man die Spree, das fand ich etwas gruslig. So stelle ich es mir in einem Unterwassersarg vor. Na gut, vielleicht auch nur in einem U-Boot. Die Restaurationen rund um den See sind etwas “ostig”, aber die Köpenicker Innstadt hat mein Herz gleich gewonnen: Wasser, Brücken, Boote, kleine Gassen, hübsche Häuschen – wie in Holland! Herzallerliebst! Und überall sind – nach Augenschein – nette Cafés.

Da es eines sein sollte, in dem man rauchen darf, sind wir im Altstadtcafé gelandet. Auch dieses putzig, noch gar nicht alt, aber dennoch liebevoll auf 30er Jahre getunt. Gedämpftes Klirren des Porzellans, die Bedienungen tragen Spitzendeckchen auf dem Kopf, im Hintergrund klimpert ein Pianist. Die Kuchenauswahl ist beachtlich und sahneintensiv.

Kurios war allein die Philosophie von Verteilungsgerechtigkeit, die an der Kuchentheke gehandhabt wurde: Der Nachbartisch (alle 60+) hatte zweimal Frankfurter Kranz bestellt. Gebracht wurden drei Stücke, allerdings sehr unregelmäßig geschnitten. Die Erklärung: ein Kuchen sei ganz alle, vom Kranz wären nur noch zwei Stücke da gewesen, die sie jetzt auf drei aufgeteilt hätten, sie würden auch nur diese Berechnen. Kleine Verwirrung, letzendlich hat der alle Schlagertexte mitschmetternde Alphamann das mit einem gütigen Lächeln gemanagt. Der Großteil des Publikums ist ebenfalls in einem Alter, das die alten Schlager unter “Jugenderinnerungen” verbucht.

Genauso übereifrig (oder voreilig? bei wenigen Worten liegen nette und abfällige Bedeutung so nah beieinander!) wurde meine Paradiestorte serviert: Da es das letzte Stück und dieses etwas groß geraten war, wurde mir dieses gefühlte Tortenachtel komplett serviert. Da ich ja eh kein grooooooßer Kuchenfan bin, hat mir diese Menge Angst eingejagt. Selbst mit großem Hunger und Tapferkeit habe ich nicht mehr als die Hälfte geschafft.

Mein Vorschlag: beim nächsten Mal die Kunden vorher fragen – ich hätte auch die Hälfte genommen, seis zum gleichen oder geringeren Preis.

Lecker wars allemal: eine leicht gedünstete Apfelmasse, angedickt, auf Mürbteig und gedeckt mit karamellisierten Mandelblättchen. Kännchen gibts übrigens nicht – das sind dann große Tassen.

Altstadtcafé Cöpenick
Alt-Köpenick 16
12555 Berlin
http://www.altstadtcafe.de/

[Bei der Gelegenheit habe ich mir auch das oft gelobte Krokodil (auf der Website auf Gastronomie klicken!) angesehen - eine sehr schöne Location, die ich spätestens um Neujahr genauer unter die Lupe nehme. Ein paar Häuser neben dem Altstadtcafé befindet sich eine etwas jüngere -rauchfreie- Location, die auch sehr nett aussah. ]