Am Anfang war das Abschiedsessen. Denn meine Freundin ist wegen mehrerer Engagements nun für ein paar Monate im Süden. Wir sehen uns dann lange nicht und um das vorher noch ausgiebig zu bedauern, trafen wir uns bei Frau Mittenmang, Rodenbergstr. 37 im nördlichen Prenzlberg.
Ein schöner Laden, noch gar nicht lange geöffnet, durchdachte Einrichtung und das Licht vom _Designer_ wie im Berger in der Senefelderstraße 4. Das Essen aber irgendwie auch — sah hübsch aus, zweifellos: Putenterrinne Saltimbocca auf Rösti. Aber von der Tatsache Vorspeise war erst auf dem Teller die Rede, auf der Karte stand davon nichts, zumal 7,50 Euro in Berlin eher auf ein Hauptgericht deuten. Die Enttäuschung liess sich nicht verbergen und nach einem konstruktiven Gespräch mit der Kellnerin servierte der Koch noch ne Portion Linguine in Orangensauce dazu. Ein Service-Sonnenschein passend zum sonnigen Herbsttag.
Danach wollten wir ins Theater. Offenbar wollte das jemand anders nicht, denn er hatte den Seitenspiegel abgefahren. Oder getreten, doch bei einer solchen Bruchkante ist Bus-auf-Spiegel wahrscheinlicher. Dass hieß erstens: wir waren schon mittendrin im Theater, doch die eigentliche Vorstellung lief ohne uns. Grundsätzlich also ärgerlich und wegen der bevorstehenden Fahrt in den Süden erst recht. Das Schlimmste ist die Ohnmacht: wer macht sowas und warum? Das ist assi Vandalismus oder Fahrerflucht und beides ist blöd und unfair. Von der Versicherung wird das übrigens nur bei Vollkasko übernommen, und auch das nicht immer.
Nach langen Telefonaten ward Hilfe gefunden und wir tuckelten zu einem Fachmann, der zwischen Kinder baden und füttern sich den Spiegel noch ansah: der zweite Sonnenschein an diesem Tag. Ein langer Spaziergang baute das Adrenalin wieder ab und führte uns zum Eckstein in der Pappelallee 73, Ecke Raumerstraße. Dort war dann ich diejenige, die großen Hunger hatte und bestellte einen gefüllten Kräuterpfannkuchen. Meine Begleitung hatte eher Lust auf Süßes und wählte die Variante Crêpe mit Früchten und Vanillecreme. Beides sehr lecker und handwerklich gut bereitet, der Crêpe sogar so luftig, cremig, aromatisch und zart, dass er uns all den Frust vergessen machte. Ich stelle immer wieder fest: wenig macht mich so glücklich wie gutes Essen. Ist ja auch mal was
Preislich liegt das Eckstein für Berliner Verhältnisse im mittleren Bereich, dafür ist die Qualität auf dem Teller aber auch ordentlich.