Wie grade beschrieben, mache ich mir normalerweise Notizen über jeden Laden, der mir gefällt: wo isser, wie heißt er, was ist so toll daran. Normalerweise heißt: es gibt auch Ausnahmen. Warum, kann ich in diesem Fall nicht erklären, denn wir bewegen uns im Revier der Superlativen. Die Rede ist von einem kleinen Weinladen in der Raumerstraße, kurz vor der Prenzlauer Allee auf der linken Straßenseite. Ging ich ursprünglich hinein auf der Suche nach einem großartigen Grauburgunder (Männle Grauburgunder 2005, Durbacher Bienengarten, gekauft in der Durlacher Weinhecke), habe ich dort eine der freundlichsten und kompetentesten Weinberatungen in Berlin erfahren. Heraus kam ich mit einem Viognier und zwei Weinen aus Saale-Unstrut und zwar vom Lieblingswinzer des Inhabers.
Haaa!! könnte man sagen, voll reingefallen auf die Ladenhüter und dann noch so offensichtlich! Nix da. Denn es war Freitag abend kurz vor Ladenschluss. Wir fachsimpelten ein bisschen und dann fragte mich der Ladner, ob ich bestimmte Weine kennen würde. Ich verneinte und darauf fing er an zu beschreiben. Und zwar von dem Duft, den die Blätter von Johannisbeeren nach einem Sommerregen ausströmen und ähnlich präzise beschriebenen Aromen. Das machte mich neugierig, denn die meisten Weinbeschreibungen anderer – auch meist- sehr arroganten Ladner beschränken sich auf fruchtig und ähnliche bei mir Würgreiz und Zorn erregende Worte.
Als ich fragte, ob er den offen habe, verneinte er und bot aber gleich an, die Flasche zu entkorken. Wohlgemerkt, Freitag abend. Für einen Weisswein heisst das: maximal noch am Samstag mit Kunden verkosten, ansonsten mit nachHause nehmen oder verschenken. Der Wein hielt, was zuvor versprochen worden war – auch dies eine Seltenheit. Gekauft.
Dann ein schüchternes Zögern des Ladners und die Anmerkung, dass er jetzt nicht so wirken wolle, als würde er mir was aufschwätzen, aber wenn mir dieser Wein gefalle, dann bestimmt auch der andere des selben Winzers – ich müsste ihn zumindest probieren. Und machte kurzerhand noch die zweite Flasche auf. Auch Weisswein, auch aus der unterschätzen Weingegend der Neuen Bundesländer und beileibe kein Konsenswein. Die Optionen auf mein Weinherz standen eh schon gut, doch als er dann präzise und zutreffend den Geruch nach dem Weissen an der Grapefruitschale herausroch, gehörte es zu 90% ihm.
Und als ich dann noch einen Viognier im Regal entdeckte, wars um die restlichen 10% auch schon gesehen. Ich kaufte also drei Flaschen, ging nach Hause – und stellte fest, dass ich nicht mal nen Kassenbon mit einer Adresse darauf hatte. Ich fühlte mich wie nach einer Zugfahrt, bei der man sich nett mit dem Sitznachbarn unterhält und dann eher verpasst als sich nicht traut, nach der Nummer zu fragen. Im Internet ist nichts zu finden, in den gelben Seiten auch nicht. Vielleicht existiert er ja auch nur in meinem Traum. Doch die Flaschen liegen im Regal und ich freue mich jetzt schon darauf. Und zum Glück arbeite ich nicht weit entfernt und kann nochmal nachsehen, wie der Laden heisst und wie die Adresse ist. Wenn er bis dahin sich nicht in Wohlgefallen aufgelöst hat. weiss ich jetzt, wie der Laden heisst: