Trudelnd taumeln bunte Blätter zu Boden, die Sonne wärmt nur noch leicht – es hilft alles nix, der Herbst ist da und rast auf den Winter zu. Vorwitzige Vorzeichen setzt die Rodelbahn am Potsdamer Platz, doch von diesem profanen Treiben will ich heute nichts wissen.
Noch immer erkältungsgeschwächt schleiche ich neben meiner Begleitung die Bergmannstraße mehr entlang, als dass ich schreite und nach einer zehrenden Besteigung des Kreuzbergs wird sehr bald der Ruf nach einer Pause wach. Ruhe! wünscht sich mein Körper, ein angenehmes Ambiente! mein Gemüt.
Wie mit magischer Hand treibt uns der Wind in Richtung Friedhof und stoppt mich an einer Baustelle, direkt vor dem Café und Restaurant Diwan. Nomen est Omen, heute umso mehr, denn ausruhen ist angesagt und so lassen wir uns schlapp auf die Stühle fallen. Zwar sind diese von orientalischen Sitzkissen weitenfernt, doch lullt uns schnell die sanfte Musik des life spielenden Pianisten ein. Erinnerungen an großartige Stunden in Wiener Kaffeehäusern werden wach, gestützt durch die blinkenden und glitzernden Kronleuchter. Gleichwohl zitieren maurische Kacheln an der Theke den Orient und so ist es ganz einfach, sich in jene Zeit hineinzuträumen, als die Türken zwar nicht Wien, jedoch die Herzen der Wiener mit Kaffee erobert hatten. Während wir uns an Tee und Kaffee wärmen, plaudert der Pianist mit uns ab und an charmant über die Musik und grüßt zum Abschied freundlich.
An der großen Fensterfront zum Innenhof ist sonntags ein Brunch-Buffet aufgebaut, das ich sofort auf die Liste fürs nächste Wochenende gesetzt habe. Da es mit komplett biologischen Zutaten bereitet wird, sind 10 Euro wahrlich nicht überteuert.
[Nachtrag: Wir haben den Brunch letzte Woche getestet und er ist, hm, wie sage ich, im unteren Standardbereich anzusiedeln. Sprich: Schmeckt, die Gerichte sind frisch, aber weder übermässig lecker noch fantasievoll. Alles leicht angeökt und für meinen Geschmack zu vorsichtig und nicht besonders gekonnt zubereitet. Wer nicht kochen kann und ein Rezept ausprobiert, wählt dann vielleicht aus Neugier den Kartoffel-Broccoli-Haselnuss-Salat und ist mit dem Ergebnis auch mangels Vergleichswert leidlich zufrieden. Wenn aber ein Koch sich an die Sache ranmacht, sollte so ein Salat toll aussehen und auch ebenso schmecken. Öko-Hausmannskost passt vielleicht ganz gut als Beschreibung. Es gibt neben der klassischen Tomate-Mozzarella-Platte verschiedene gebratene Gemüse; Käse und Wurst sowie kalte Bulettenscheiben (sic!) bieten sich als Brotbelag an. Als warme Gerichte werden Pilzrisotto, Schupfnudeln und eine vegane Gemüsessuppe gereicht. Hat ein bisschen was von der Bio-Sektion in der Mensa.]
Bestellt hatten wir diesmal einen Capuccino, der mit erfreulich wenig Milch serviert wurde und einen Bergtee, der aus einer unglaublichen Fülle aus Kräutertee auszuwählen war. Dieser war frisch und lecker, einzig das Aufgussverfahren könnte optimiert werden: die grob gerebelten Blätter werden ohne Sieb direkt im Glas aufgegossen und stellen vor die berühmte Wahl zwischen spit or swallow.
DIWAN
Bergmannstr. 59
030 – 492 12 83
www.bio-diwan.de
Nächste Haltestelle: U7/Südstern