„Menschen ohne Seele kaufen Dinge ohne Seele“, singt Jan Delay – und im Umkehrschluss heisst das doch eigentlich, dass mit Seele kauft, wer eine hat? Für alles Kulinarische gilt dies allemal. Ganz besonders beseelt hat mich gestern der Genuss dreier Knödel, die ich bei Leo Bettini erwarb und dann als samstäglichen Mittagssnack verspeiste. Ent-zük-kend! würde meine Freundin A. ausrufen und dies mit sehr französischen Gesten unterstreichen.

In einer weissen Pappbox, im Design dem Asia-Takeaway entlehnt, kuschelten sich je ein Semmel-, Bergkäse- und Tomate-Mozzarella-Knödel aneinander, freundschaftlich verbunden durch geschmolzene Butter und Parmesan. Geschmacklich alle drei ein Gedicht, die Konsistenz herrvorragend und ganz so wies sein soll: Nämlich locker einerseits, sodass man die Luft in den Knödeln richtig sehen kann, nicht zu fluffig andererseits, damit man sie gut mit der Gabel ausseinanderreißen, die Stückchen Soße aufnehmen lassen und sie dann genüßlcih verspeisen kann. Und zwar kauend, das macht einen guten Knödel aus. Nicht so wie die rohen oder halb-halb-Kartoffelklösse, die man ja eher runter…äh … schlingt? Also jedenfalls eher wie eine breiförmige Masse verspeisen muss, als sie wirklich kauend genießen zu können.

In der Knödelmasse war insgesamt etwas Käse drin, auch beim klassichen Semmelknödl, was mich zunächst irritiert, geschmacklich aber sehr gefreut hat. Präsenter zeigte sich der Käse natürlich beim Bergkäseknödl. Geschmacklich gut ausgetüftelt und mit deutlichem Tomatenanteil war der kleine Rote im Bunde.

Knödel rollen macht viel Arbeit und deshalb kann so ein kleines rundes Vergnügen nicht zum Schleuderpreis angeboten werden. Andererseits sind die 7,90 Euro erstens angesichts der Qualität durchaus angemessen und zweitens wird man hier in Berlin in Bezug auf Essenspreise sowieso verdorben: In Köln oder München würde man den Betrag ohne mit der Wimper zu zucken zahlen und sich noch darüber freuen, dass die eins vor dem Komma wirklich wirklich nicht vergessen wurde.

Leo Bettini kann noch mehr – und zwar hausgemachte Pasta, sei es pasta asciutta oder gefüllte Pasta. Ich konnte mir ein kleines Testportiönchen der mit Pistazie und Limette gefüllten Ravioloni nicht verkneifen und bin auch von diesen sehr angetan. Zwar waren die Pistazien geschmacklich nicht sonderlich präsent (vielleicht wärs besser, Pistazienmus als Stücke zu verwenden?), doch gaben sie Struktur. Die Limette war schmeckbar, doch nicht aufdringlich und der Ricotta als Trägermasse (vielleicht auch Schichtkäse oder Hüttenkäse – ob die Säure vom Käse kam oder von der Limette, war schwierig auszumachen) verband alles zu einer gleichzeitig stabilen und cremigen Füllung. Der Teig hielt diese im Inneren der Pasta, was für eine sorgfältige Verarbeitung spricht: häufig sind die Ränder bei gefüllten Nudeln nämlich nicht dicht gearbeitet und dann tritt die Füllung aus, während die Pasta im heißen Wasser gar zieht.

Wie empfohlen, habe ich auch die Pasta mit Butter und Parmesan verspeist und halte dies für die beste Variante. So erhält die Füllung ausreichend Geltung und kommt sich nicht mit einer intensiven Sauce in die Quere.

Knödel wie Pasta kann man vor Ort im hell und luftig gestalteten Bistro verspeisen oder mit nach Hause nehmen – entweder als komplettes Gericht schon gegart und mit Sauce und einem Salat gereicht, oder samt mündlicher Zubereitungsanleitung als abgewogene Ware.

Übrigens ist seit kurzem jetzt auch Samstags bis abends geöffnet! Ein zweites Übrigens: der Plural von Knöd(e)l ist Knödeln. Luja sog i. Aller guten Übrigens sind drei: Aufmerksam wurde ich auf die Knödelmanufaktur durch den Beitrag von Leckeressen.

LEO BETTINI

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