Münster ist ein bisschen das Freiburg Nordrhein-Westfalens, zumindest was die Zahl der Fahrradfahrer betrifft. Deutlich höher als im Breisgau allerdings ist die Dichte der Perlenohrring-Trägerinnen, der T.H.-eingekleideten Schnösel im Teenie-Alter und der CDU-Wähler. Neben all dem wohlhabenden städtischen Bürgertum ist da noch der reichlich vertretene Landadel, der sich – genau wie ich als Touri – samstags gerne die Füsse auf dem Markt vertritt, einen Kaffee hier, einen Multivitaminsaft dort trinkt und als leichten Snack ein Pannino zu sich nimmt.

Der Kontrast zwischen ökigen Studenten und rosa behalstuchter Klientel scheint kreativitätsfördernde Wirkungen zu haben: im Gegensatz zu Bonn, das weder über erstere noch letztere verfügt, enstehen in Münster immer mal wieder nette Cafés, Restaurants und Läden, deren Charakter über den einer kleinstädtischen Eisdiele oder wahlweise eines Franchise-Cafés hinausgeht.

Es geht die Mär, dass der künstlerische Input der Skulpturen-Ausstellung 07 verantwortlich dafür ist, dass eine der derzeit angesagtesten Locations entstand: Das fyal central lässt einen eher an ein abgerocktes Hinterhof-Café in Berlin denken, als an einen Ort, der vom Landadel frequentiert wird. Doch siehe da, der improvisierte Raum mit groben Dielen an Boden, als Bänke und Tische ist so beliebt, dass man schon ein bisschen Zeit mibringen muss, wenn man sich hier in die Menge werfen möchte.

Das noch bestehende Selbstbedienungs-Konzept beschleunigt den Prozess nicht gerade, vor allem wenn samstag mittags nur eine Person an der kleinen Kaffeemaschine steht. Doch gelassen warten alle darauf, bis die Vorgänger ihre “Latte Macchiatos” und Bionaden zu den Tischen balanciert haben. Richtig lange mag man im Winter nicht bleiben, weil es ziemlich kalt ist und zieht – insofern kein Ort für einen langen Schwatz, aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Im Sommer gibts als Ausgleich für die Kälte draußen eine sonnenbeschienene Terasse.

Übrigens ist das fyal einer der wenigen Orte, an denen man explizit noch einen “italienischen Kaffee” bestellen muss. Sonst kann es passieren, dass man Filterkaffee aus der Thermoskanne serviert bekommt – vielleicht ist das das Zugeständnis an den Landadel? (Immerhin kostet der Filterkaffee auch weniger: die annoncierten 1,40 Euro gelten ihm, wer den -nicht sonderlich guten- italienischen haben möchte, zahlt 1,90 Euro und für Kaffees mit Milch um 2,30 Euro.

fyal central
Geisbergweg 8
48143 Münster
Täglich ab 10 Uhr