Als wäre es nicht schon anstrengend genug, die Weisheitszähne (ja, Plural!) gezogen zu bekommen und sich mit den Schmerzen zu plagen, ist die Schlimmste der Strafen auch noch dies: Essen is nich. Zumindest nichts Festes. „In den ersten 24 Stunden nur klare Flüssigkeiten (Tee, Wasser, klare Brühe)“, so informiert mich mein Zahnarzt schriftlich, danach dürfe „für etwa drei Tage“ nur breiförmiges gegessen werden. Oh Gott.

Ein Glück, dass die Schmerztabletten praktischerweise ohnehin den Hunger dämpfen. Und doch ist bald die Lust da auf Pasta, auf knusprige Kartoffeln, auf … ich fühle mich wie der Löwe in „Madagascar“, der von Steaks träumt.

Aber zurück in die Realität: Was also tun, damit die Laune nicht noch schlechter wird, weil nix im Magen ist? Kreativ sein und abwechseln. Das hiess zuallererst: viel Kräutertee, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen (mit geschwollener Lippe und offenem Mund verdunstet da offensichtlich einiges…). Nach ein paar Stunden dann Carokaffee mit Reismilch – und zwar gesüsst, damit ein bisschen der Blutzuckerspiegel ausgeglichen wird. Eigentlich habe ich die Reismilch gewählt, weil ich nicht auf Milch stehe, doch habe ich dann gelesen, dass Milchprodukte in den ersten Tagen eh nicht so gut sind.

Die 24 ersten Stunden habe ich brav abgewartet, danach gabs:

- velouté à façon frigo, eine cremige Kartoffel-Gemüse-Suppe mit allem, was Kühl- und Gefrierschrank hergaben,

- feinst gestampften Kartoffelbrei mit reichlich Butter und feinst gemahlenem Pfeffer (vorsicht mit allem, was körnig ist, es könnte in der Wunde hängen bleiben) ,

- mit Traubensaft pürierte Äpfel zum „Nachtisch“ (das sollte ein Smoothie werden, doch mein Mixer ist nicht stark genug). Da ich zuviel gemacht habe, wurde der Rest kurzerhand mit noch mehr Traubensaft und etwas Grieß gemischt und aufgekocht, das war dann der Nachtisch für den nächsten Tag,

- Broccoli-Cremesuppe,

- Rote-Linsen-Suppe (fein püriert),

- Polenta, mit Parmesan und Olivenöl vermengt

- Pastinaken-Kartoffelmus. Wichtig hierbei finde ich, dass die Pastinaken angeröstet werden und ein bisschen schmoren. Wenn man sie nur in Wasser kocht, kommt ihr süß-würziger Geschmack nicht so schön heraus. Noch schöner werden sie, wenn man sie auf kleiner Flamme zum Confit bereitet,

- Pappa al pomodoro, angeregt durch das Rezept in Jamies Italy: Für eine Person ein Stück altbackenes Mischbrot von der Größe eines Brötchens in kleine Würfel schneiden. Eine Knoblauchzehe fein würfeln, anschwitzen, das Brot kurz mit anrösten. Eine 400ml-Dose Tomaten und die Dose nochmal vollgefüllt mit Wasser zugeben, mit (in meinem Fall getrocknetem) Basilikum und Oregano großzügig würzen und salzen. Etwa 6 eingelegte getrocknete Tomaten sehr klein schneiden und ebenfalls zugeben. Alles 15-20 min köcheln lassen. Die Menge reicht für zwei Mahlzeiten (gerechnet für angeschlagene Personen).

Ein sommerlicher Nachtrag: Eine Handvoll gefrorene Himbeeren oder Erdbeeren mit Soja-vanille-Drink pürieren, das ergibt eine puddingartige Konsistenz und ist eine willkommene Abwechslung zu Suppe. Außerdem garantiert laktosefrei.

Noch ein unkulinarischer Tipp für alle, die wie ich nach der OP von Aphten geplagt wurden: Es gibt jetzt Hafttabletten, die man direkt auf die Entzündung aufträgt. Fühlt sich merkwürdig an, vor allem, weil Haut und Zahn zeitweise zusammenzukleben scheinen. Wirkt aber ganz hervorragend.