Tagsüber belebt und für “Kaffee und Kuchen” ideal, ist es auf der Bergmannstraße abends schon etwas schwieriger, eine Location mit sehr gutem Essen zu angemessenen Preisen zu finden. Gut essen: klar, da ist das Bergmann 103, wo sie solide Kochen, das Joséphine, in dem französische Küche zelebriert wird und im Milagro hört sich die Karte stets gut an. Doch richtig nett, auch weil es von Touristen nur selten entdeckt wird, ist das Molinari, das sich auf der Ecke Riemannstraße/Solmsstraße befindet.
Allein die Einrichtung ist nett: Die Kassettendecke scheint einer ehemaligen Eckkneipe zu entstammen, in ihrer Düsterkeit aufgelockert durch eine moderne Theke. Tische und Stühle sind unschwer als Schulmobiliar zu erkennen und die kleine Balustrade, die zu den Toiletten und zur Küche führt, dürfte noch aus den 50er Jahren stammen. Zumindest die Damentoiletten sind komplett pink gestrichen, was zu einem amüsierten Grinsen aller führt, die das Bad wieder verlassen.
Kulinarisch liegt der Schwerpunkt deutlich auf italienischen Gerichten. Neben den Standard-Angeboten listet eine Tageskarte stets etwa 8 Pastagerichte, die dem ersten Augenschein nach nicht nur richtig geschrieben, sondern auch von den Zutaten her “relativ echt italienisch” zu nennen sind. Zuvor sind die Vorspeisen aufgeführt, unter denen sich gestern eine sehr leckere, aus frischen Artischocken zubereitete Suppe (3,90 Euro für eine enorme Portion) und ein Fenchel-Kartoffel-Auflauf mit Salatbeilage (5,90 Euro) befand. Mit dieser Kombination wurde ich mehr als satt; für den Notfall stand ein gut mit sehr leckerem, knusprigem Brot gefüllter Korb bereit. Allein das Brot ist einen Besuch wert: Es handelt sich hier nicht um aufgebackene Fertig-Ciabatta oder Fladenbrot, sondern um fluffige, leicht gesäuerte und außen kross abgebackene Weissbrotlaibe.
Meine Begleiterin hatte sich für die Spaghetti mit grünem Spargel, Cocktailtomaten und Parmesan (7,90 Eur) entschieden und war ebenfalls sehr zufrieden.
Ganz besonders erwähnenswert ist der Service: Freundlich, sympathisch und so aufmerksam, dass sie sich mehrfach für die beinahe gleichzeitig gebrachte Vor- und Hauptspeise entschuldigten. Da ich dies in dieser Stadt wirkilch nicht als selbstverständich empfinde, kann ich jedem, der eine Pause von der berühmten Berliner Schnoddrigkeit benötigt, einen Besuch im Molinari nur empfehlen.
M. Molinari und K. Koob GbR Riemannstr. 13 10961 Berlin