In bauchigen Gläsern blubbern bunte Flüssigkeiten, es riecht geheimnisvoll und bei all den Apparaturen, Schläuchen und Kupferkesseln fühlt man sich in eine Hexenküche versetzt. Wir sind in der Berliner Likörfabrik, in einer der oberen Etagen eines alten Backsteingebäudes auf dem Gelände der Universität. Genauer: in den ehemaligen Räumlichkeiten der ehedem universitätseigenen Brauerei, heute zugehörig zum Institut für Gärungsgewerbe.

Fabrik ist reichlich euphemistisch, denn in dieser kleinen Manufaktur arbeiten exakt zwei Leute (plus Verkaufspersonal) und widmen sich mit Leidenschaft und sehr viel Zeit der Produktion von hochprozentigen Köstlichkeiten. Haben es vor ihnen schon mehrere versucht und sind kläglich gescheitert, so erklärt dies sich das Duo damit, dass ihre Vorgänger auf Masse gesetzt haben.Nicht so dieser kleine Betrieb: hochwertig müssen die Zutaten sein, und falls diese mal nicht den strengen Vorstellungen entsprichen, geht die Lieferung zurück.

Man würde vermuten, dass so ein kleines Team aus zwei energischen und neudeutsch als dynamisch bezeichneten Personen bestehen müsste. Stattdessen sind die Destilliermeisterin genauso wie ihr Assistent geradezu auffällig bescheiden und zurückhaltend, wenn es um die Anpreisung ihrer hochwertigen Ware geht. Erst wenn sie erklären, wie die über 100 Jahre alten Maschinen funktionieren, wenn sie erläutern, wie sorgsam sie gepflegt und überwacht werden müssen, damit ja kein falscher Geschmack sich in das Destillat hineinschleicht – erst dann fangen die Augen an zu leuchten und findet das Schwärmen keinen Halt mehr.

Inspiration erhalten die Destillateure und Produktmanager in Personalunion von der größten bekannten Drogenorgel. Auch wenn es sich so anhört: diese hat wenig mit illegalem Rausch und auch nicht mit Musik zu tun. Es handelt sich vielmehr um je drei Gläschen, die eine Zutat in getrockneter, in Alkohol eingelegter und in destillierter Form enthalten. Darunter Altbekanntes wie Zimt und Ingwer, aber auch Büffelgras und Tonkabohne sind dabei – beides Düfte, die sich nicht jeder sofort ins Gedächtnis rufen kann. Durch die unterschiedliche Darreichungsform kann man einschätzen, wie sich die Zutat im Likör präsentieren wird. So sei schon manche Neuentwicklung (Spargelgeist! Bierlikör!) dadurch entstanden, dass man sich durch die Drogenorgel geschnuppert habe, erklärt unser Begleiter.

Bei allen Neuerungen greift man auch gerne auf Bewährtes zurück: der kurfürstliche Magenbitter ist seit der ersten Stunde mit dabei und wird nach einem streng gehüteten Rezept aufbewahrt.

Dass wir hier mit einer Manufaktur im Wortsinne zu tun haben, wird spätestens klar, als wir in den Abfüllraum kommen: Die Etiketten werden vor Ort gedruckt und zurecht geschnitten, jede Flasche wird händisch befüllt und verschlossen und am Ende mit dem Etikett verziert. Die Preise sind entsprechend teurer, als man sie aus dem Handel kennt – doch wer die hier gebrauten Liköre einmal probiert hat, wird sich an andere nur noch mit Widerwillen wagen.

Führungen finden statt nach Anfrage und berechnen sich nach Personenzahl und Intensität von Führung und Verkostung.

Berliner Likörfabrig am IfgB
Seestr. 13
13353 Berlin
http://www.likoerfabrik-berlin.de/