Sagenumwoben geistert die Mär der legendären Ostschrippe durch die Lande. War sie wirklich so viel besser, authentischer, lockerer, leckerer? Testen lässt sich dies in der Feinbäckerei Gabriel, einem höchstcharmanten Bäckerlädchen in Pankow. Vor der Tür ein Tisch und vier Stühle, drin nochmal so viele Sitzgelegenheiten und gleich Rechterhand des Eingangs die aquariumgleiche, recht eckige und damit sehr antiquiert-charmante Theke. Das Glas trennt uns von zig Sorten Kuchen und Teilchen, alle mit Liebe und Hingabe gefertigt, wenn auch nicht so auf Optik und Style getrimmt, wie das derzeit so gern gemacht wird. Nicht, dass ich den französisch-englischen Blümchenstyle nicht mögen würde, aber die Einfachheit der Feinbäckerei ist erfrischend.
An der Wand dahinter sind die Brotregale angebracht, auf Tischhöhe stehen Körbe voller frischer Brötchen: handgeschliffene Schrippen, die aussen leicht matt aussehen und für unser hochglanzverwöhntes Auge erstmal drüsch wirken mögen. Doch sie sind alles andere: beste elastische Konsistenz, fluffig und irgendwie echt. Für Antipuristen gibts auch Sesam-und Mohnbrötchen, zusätzlich alle Körner-Bindestrich-Brötchen, die man sich vorstellen kann. Alles handgeschliffen, ideal gegangen und gegart. Mein absoluter Favorit sind die Buchweizen-Brötchen: in keiner anderen Bäckerei habe ich sie bisher gefunden, was ein Wunder ist. Denn der hohe Lecithin-Gehalt des Buchweizen wirkt lockernd wie Eier. Sein besonderes Aroma macht die Brötchen zu idealen Begleitern für standfeste Käse, aber auch für Marmeladen aus Früchten mit Standing. Ganz großes Kino.
Feinbäckerei Gabriel Florastr. 34 Pankow (Höhe Florapromenade) Öffnungszeiten: wie früher – bis 18 Uhr, Samstags bis 12.