Wer hätte das gedacht: Kaum seufzt man ein ganzes Jahr dem rheinischen Siebengebirge nach, entdeckt man kurz hinter Potsdam ein paar Hügel, die die Sehnsucht zu stillen vermögen. Gut, sie sind nicht so hoch und der Blick auf den Rhein muss dem Blick auf die Havel weichen. Doch sind die armen Ritter, die es dort gibt, gar köstlich.
Aber der Reihe nach: Es war einmal ein Häuschen an der Havel, das einen Wochenendsitter brauchte. Um dorthin zu gelangen, hatte eine holde Maid die Wahl zwischen Drahtesel und Sammelkutsche. Diese würde für die Strecke aber genauso lange wie der Esel und so entschied sie sich für letzteren. Ihr Weg führt sie von Potsdam Hauptbahnhof schnell hinaus in malerische Landschaften, gezeichnet von sanft geschwungenen Hügeln und kleinteiligen Feldern links des Weges und Streuobstwiesen und Pferdekoppeln rechter Hand.
Über Barnim und Gold gelangte sie nach Töplitz und war über den Weg sehr zufrieden: ihr Drahtesel fuhr in stetem Rhythmus und endlich konnte sie über Kilometer hinweg ihren Gedanken freien Lauf lassen. Ab und an wurden ihr preiswert Honig, Tomaten und anders Obst und Gemüse aus den heimischen Gärten angeboten. Am Ziel entdeckte sie, dass es dort trotz Wassernähe von „Bergen“ nur so wimmelt: der schwarze Berg, der Mühlenberg, der Weinberg, Eichholzberg, Wachtelberg ….*
Um sich zu stärken, wollte die Maid mit ihrem Begleiter einkehren. Zur Wahl standen ein Café-Restaurant in Töplitz, das zwar sympathisch, aber so unbevölkert wirkte, als sei es geschlossen. Dies war schade, denn die Karte enthielt allerlei schöne Gerichte und hielt selbst für Vegetarier einiges bereit.Zur Wahl stand außerdem ein Hotel-Spa-Restaurant im selben Ort, das aber wegen einer merkwürdig unpassenden Speisenauswahl sowie hohen Preisen ausfiel. Schließlich wäre auch der Landgasthof zum Alten Weinberg ein schöner Ort gewesen, doch wurde an jenem Abend ausschließlich ein Grillbuffet angeboten.
Deshalb kehrten die Maid und der Ritter schließlich in den Gasthof Am Mühlenberg ein. Gleich im Hof wurden sie von einem riesigen roten Doppeldecker-Bus aus England empfangen. Der weitere Weg führte sie auf die Terasse hinterm Haus, die angenehm improvisiert wirkte. Zunächst fürchteten die beiden, dass das Essen ebenso sei, doch weit gefehlt.
Der Vorspeisensalat (ca 3,50 Euro) mit Himbeer-Walnussdressing war frisch und knackig und ward durch Sprossen und Radi sehr vielseitig ergänzt. Zur Hauptspeise wählte die Maid mit Gorgonzola überbackene Spinatnudeln (6,50) und der Ritter gebratene Pfifferlinge mit Rührei (9,80), die von Kartoffeln ergänzt wurden. Beides solide und schmackhaft zubereitet, frisch allemal und in ausreichender Portion.
Das Dessert erfreute beide und krönte den schönen Ausflugstag: Knusprig goldbraun gebackene Arme Ritter (ca 4 Euro), die dabei hauchzart waren und auf einer für Radfahrer bemessenen Portion cremiger Vanillesauce serviert wurden. Als Getränke wählten beide ein Alster, doch hätte auch ein Müller-Thurgau des nahe gelegenen Weinbergs zur Wahl gestanden, was die Maid schlicht zu spät entdeckte und sich fürs nächste Mal notierte.
Alles in allem ein schöner Ort, etwas schattig an kühlen Tagen, an heißen aber bestimmt sehr angenehm. Etwas irritiert waren Maid und Ritter von den unmittelbar daneben gelegenen gelb-roten Feriendomizilen, die wie befestigte Wohnwagen wirkten.
Hier gibts ne Karte
*Eine Anmerkung zur Strecke:
Ein Teil der Strecke entspricht derjenigen, die kürzlich als Ausflugstipp der Berliner Zeitung (Reihe: „Berlin-Planer: Unterwegs“, 28. Juli 2008) vorgestellt wurde. Ebenfalls findet sich die dort beschriebene Route zum Beispiel in der ADFC-Karte für die Gegend. Entgegen der dort angegebenen Empfehlungen als Radwege rate ich insbesondere, das Nachfahren der Route entlang des Mühlenbergdamms bei Golm sowie den anderen direkt am Ufer gelegenen Wegen (z.B. der Schwarze Weg, zu dem man über die Wublitzbrücke gelangt) zu überdenken: Sandige, unebene Strecken, die nur mit breiten Reifen und viel Durchaltevermögen gut gelaunt zu überwinden sind. Ebenfalls entgegen der Auszeichnung in der Karte rate ich zur Benutzung der Landstraßen: sie sind nicht sonderlich befahren, die Oberflächenqualität ist ausgezeichnet und man fährt durch genauso schöne Landschaften.
Grundsätzlich sollte man in Potsdam den Hauptbahnhof auf der Seite verlassen, die näher zum S-Bahn-Gleis liegt; sie ist daran erkennbar, dass dort die grünen Touri-Busse abfahren. Nun fährt man erstmal links bis zur Brücke, überquert diese und hangelt sich entlang der Baustellen-Ausschilderung entlang. Dabei fährt man über den Platz an der Nikolaikirche und folgt der Friedrich-Ebert-Straße bis zum Nauener Tor, hinter dem man links in die Hegelallee fährt und bis zur Bornstedter Straße radelt, in die man rechts abbiegt.
Alternativ kann man ab der Bahnhofsbrücke links in die Breite Straße fahren, an deren Ende man in die Schopenhauerstraße rechts abbiegt und weiter geradeausfährt, bis sich diese in die Bornstedter Straße verlängert. Die erste Strecke ist etwas einfacher zu finden und meines Erachtens auch schöner, vor allem ruhiger. Der Bornstedter Straße folgt man immer geradeaus; irgendwann verlängert sie sich in die Potsdamer Straße. Ganz am Ende muss man etwas aufpassen und dem Wegweiser nach links Richtung Golm folgen, danach ist Töplitz durchgehend ausgeschildert.