Als ich klein war, hatten wir einen Nachbarn, der mich immer aufzog, indem er trällerte: „Die Julischka, die Julischka aus Buda Budapest, die hat ein Herz aus Paprika, das keine Ruhe läßt!“ Wieviel Wahrheitsgehalt in diesen Worten liegt, sei mal dahin gestellt, doch habe ich das lange für ein albernes Liedchen gehalten und wusste nicht so recht etwas damit anzufangen.

Die späte Erkenntnis kam beim Besuch der großen Budapester Markthalle, die schon rein architektonisch unbedingt auf der Besuchsliste stehen sollte: In mehreren Reihen drängen sich dort Paprika-Händler dicht aneinander und bieten so viele verschiedene Qualitäten des roten Pulvers an, dass einem ganz schwindlig wird. Lieber im günstigen Beutelchen eingeschweißt – oder darfs etwas exklusiver das irdene Töpfchen mit passendem Holzlöffelchen sein, mit dem die Würze ins Gulasch [Pörkölt bitte!] gelangt? Den klassisch edelüßen lässt man schnell hinter sich, wenn man lernt: es gibt mindestens fünf Stufen von süß zu extrem scharf. An letztere wagen sich nur echte Fans, die erste, sehr süße und dichte Sorte  sei – so wird in Insiderkreisen gemunkelt – am besten im Herbst und dann nur frisch vom Bauern, der das Pulver nicht entölt. Dadurch ist es zwar weniger haltbar, doch der Geschmack entschädige für alles. Leider wars noch zu früh im Jahr, aber ich komme ohnehin wieder.

Gekauft habe ich meinen Paprika letztendlich in einem der bestsortierten Sparmärkte in Budapest. Dort war er um einiges günstiger und wahrscheinlich auch frischer. Die Markthalle selbst lohnt einen Besuch, wenn man wirklich günstige Lederwaren erwerben (sie sind bis zu 10.000 Forint billiger als anderswo und man sollte un-be-dingt handeln; teilweise gehen die Händler schon von selbst runter „It is 20.000, but I can give you for 15.000“ ) oder deftig und günstig essen möchte. Auch Trachten und Souvenirs gibt es zuhauf – über die Qualität dieser Ware erlaube ich mir kein Urteil. Das Gemüse ist leider eher unfrisch und auch nicht wirklich günstig, die Käseauswahl bescheiden. Dafür gibts ohne Ende Salami.

In der gleichen Straßen sind einige nette Kneipen und wenn man in Richtung Universität geht, kommt man an guten und sehr günstigen Studicafés vorbei (zum Vergleich: dort kostet ein Espresso 240 Forint [nicht mal ein Euro], in Gerbaud & Co 700-1000).

Große Markthalle Nagy Vásárcsarnok, Vámház körút 1–3, direkt an der Freiheitsbrücke (die derzeit wegen Bauarbeiten nicht begehbar ist).

Advertisements