traffordc_1Wenn man den Vatikan mit dem Buckingham Palast kreuzt und mit ein bisschen Versaille veredelt, was kommt dabei raus? Richtig – ein gigantomanisches Shoppingcenter am Rande von Manchester: Trafford Center at Barton Square. Das wäre jetzt nicht der erste Tipp gewesen? Meiner auch nicht. Aber ich hätte ohnehin nicht gedacht, dass ich mal zehn Stunden in einem Einkaufszentrum verbringen würde. Und ich habe keine einzige bereut.

Wie auch, wenn man an einem Ort ist, an dem Sissi und Cinderella zwischen den güldenen Säulen zu spazieren scheinen? Wo filigrane Glasdächer die marmornen Gänge überspannen, der Stuck an den hohen Decken aufwändig dekoriert ist und die Statuen in den Nischen um die Springbrunnen aus zweierlei Marmor gehauen sind?   Zwei kupfergedeckte Kuppeln krönen die beiden Türme, die die Hauptteile des Centers markieren. Dazwischen beherbergen großzügige Wandelgänge, von Klaviermusik beschallt, allerlei Shops, die keine Wünsche offen lassen. Tee, Schokolade, Pralinen? Gleich mehrfach. Kleidung, Schuhe, Accessoires? In kaum bewältigbarer Anzahl. Doch lieber Wohnungseinrichtung? Marks & Spencer, Habitat und John Lewis geben ihr bestes.traffordc_3

Wer Hunger hat, wandelt in Richtung der Great Hall: bei Wassergeplätscher wählt man dort zwischen sizilianischer Pasta, mexikanischen Burritos (sehr frisch und lecker) und asiatischen Spezialitäten. Für das Fußvolk haben sich auch McD und BK angesiedelt, aber hej, standesgemäß ist das nicht.  Lustig ist das hauseigene Cafe von Marks&S: gleich neben der Kinderkleidung und zwischen Seidenkrawattten und Anzügen werden dort Kaffee und Tee zu besten Preisen serviert (Achtung: ein kleiner Kaffe hat hier die Größe einer Badewanne!). Ab 16 Uhr kann man auch den Tea for Two buchen, eine Etagere voller Köstlichkeiten für den nachmittäglichen Appetit, plus prall gefüllter Teekanne. Interesanterweise hat man die Nähe der Textilien gleich ausgeblendet und genießt es, dass man dem Lärm der shoppenden Massen mal etwas entrinnen kann.  Etwas Geduld sollte man mitbringen, da das Personal nicht das schnellste ist. Dafür ist die Stimmung familiär und es zieht längst nicht so wie in den anderen Kaffeezubereitenden Institutionen. Und ungemein friedensbildend: während ER sich zwischen der blauen und der schwarzen Fliege nicht entscheiden kann, ruht SIE ihre Füße schonmal für die nächste Runde aus. Hilfreiche Mode-Kommentare von anderen Gästen gibts umsonst dazu.

Frisch gestärkt kann dann der nächste Flüge erobert werden – ein Spaziergang durch Chanel & Co inspiriert, bringt einen finanziell aber ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen. Immerhin ist die Freude groß darüber, dass es viele Dinge gibt, die man überhaupt nicht braucht. Nun noch ein bisschen Weihnachtsdeko anschauen in den Lichthöfen, dann ein Schlenker in die Teeabteilung und – hej, wollte ich nicht Cookies kaufen? Draußen ist es dunkel geworden, die Füße schmerzen – aber es ist ohnehin schon kurz vor Geschäftsschluss. Schön wars, anstrengend auch, wunderbar: ich habe kaum Geld ausgegeben. Mein Begleiter hat stattdessen den Shop-till-you-drop-Part übernommen und dabei ziemlich gute Schnäppchen gemacht.traffordc_2

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