Münster


Wenn man all die Beiträge über die derzeit so hippen Kochshows liest, erfährt man vor allem eins: dass in jedem Menschen ein tiefes Bedürfnis inne zu wohnen scheint, das uns an den gemeinsamen Herd zieht, auf dem in einem riesigen Topf die Suppe für den ganzen Stamm köchelt. Und weil heutzutage der Stamm nicht mehr gemeinsam isst, schaut man sich das Brodeln der Miraculixe halt im Fernsehen an.

Diese Zeichen der Zeit hat der Besitzer des münsteraner Gemüselädchens Peperoni auf der Wolbecker Straße 24 schon längt erkannt: Mit persischer Weisheit bereitet Djahan wochentäglich ein schmackhaftes Mahl in einer großen Pfanne, aus der dann jeder Hungrige für fünf Taler sein Bäuchlein füllen darf. Die Büffel und Mammute bleiben dabei vor der Tür: der Mittagstisch ist pur vegetarisch.
Wem die Plat du Jour nicht gefällt oder mehr Lust auf kalte Köstlichkeiten hat, wird zwischen Couscous-Salat und eingelegten Artischocken bestimmt auch glücklich. Für den Nachtisch stehen orientalische Süßigkeiten und Trockenfrüchte aller Art im Angebot. Und wer vom Stammeserlebnis beschwingt und inspiriert fühlt, abends zuhause den Kochlöffel zu schwingen, kann bei Peperoni zusätzlich alle frischen Zutaten erwerben.

Auch wenn abends die Küche kalt bleibt, wird dennoch zum heimeligen Abend geladen: Mal wird Jazz gespielt, mal Märchen erzählt und auf traditionellen Instrumenten auch musikalisch orientalischer Flair in das liebevoll dekorierte Ladenlokal geholt.

GemüseSkulptur: Peperoni
Wolbecker Straße 24
48155 Münster
(0251) 664020
www.gemuesekultur.de
Öffnungszeiten: Mi-Fr 9-20 Uhr; Sa 9-18 Uhr
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Münster ist ein bisschen das Freiburg Nordrhein-Westfalens, zumindest was die Zahl der Fahrradfahrer betrifft. Deutlich höher als im Breisgau allerdings ist die Dichte der Perlenohrring-Trägerinnen, der T.H.-eingekleideten Schnösel im Teenie-Alter und der CDU-Wähler. Neben all dem wohlhabenden städtischen Bürgertum ist da noch der reichlich vertretene Landadel, der sich – genau wie ich als Touri – samstags gerne die Füsse auf dem Markt vertritt, einen Kaffee hier, einen Multivitaminsaft dort trinkt und als leichten Snack ein Pannino zu sich nimmt.

Der Kontrast zwischen ökigen Studenten und rosa behalstuchter Klientel scheint kreativitätsfördernde Wirkungen zu haben: im Gegensatz zu Bonn, das weder über erstere noch letztere verfügt, enstehen in Münster immer mal wieder nette Cafés, Restaurants und Läden, deren Charakter über den einer kleinstädtischen Eisdiele oder wahlweise eines Franchise-Cafés hinausgeht. (mehr …)