Sevilla


Brot begleitet ein spanisches Essen wie das Wasser den Espresso: ohne fehlt was . Entsprechend gibt es auch im kleinsten Laden frisches Brot zu kaufen. Was besonderes ist das dann meist allerdings nicht und gute Bäckereien mit einer schönen Auswahl und wirklich hausgemachten Backwaren sind selten. Eine dieser Ausnahmen bildet der Horno San Bruno in der C/Feria 87 und 94 in Sevillas Stadtteil La Macarena. Der Laden ist winzig und im Gegensatz zu vielen anderen Hornos kann man dort weder sitzen und Kaffee trinken noch irgend welche anderen Speisen außer Brot und Kuchen erwerben. Dafür gibts dort die ganze Palette der Sevillaner Brotspezialitäten sowie einige außergewöhnlichere Brote wie „pan de miel y naranjas“ (auf Bestellung). Besonders gerne mag ich Molletes, das sind flache, nur sehr kurz gebackene fladenähnliche Brote, die sich aufgeschnitten ganz wunderbar für Tostada eignen. Der Horno San Bruno führt sie „klassisch“, also aus weissem Mehl, aber auch aus Vollkornmehl und zusätzlich in der Familienvariante: etwas kleiner, dafür mehr an der Stückzahl. Denn Molletes kauft man hier in der Regel im Fünferpack. Ich empfehle sehr, sie sofort einzufrieren und bei Bedarf auzutauen und aufzubacken/-toasten, sonst werden sie schnell trocken. Wenn man sie dann ordentlich mit Olivenöl beträufelt und mit Tomatenmus bestreicht, ist das ja aber auch nicht so tragisch.

Horno San Bruno
C/Feria 87 y 94
41002 Sevilla/ La Macarena

(Karte )

Tlf. 0034-954903881

Die gastronomische Dynamik in viel bereisten Städten wie Sevilla hat häufig zur Folge, dass es irgendwann an den schönen Plätzen der Stadt (in unserem Beispiel: im Zentrum und vor allem: rund um die Avda de la Constitución) nur noch Restaurants mit teuren Preisen gibt und die günstigeren sich woanders hin verlagern. Qualität und Authentiziät wiederum reisen mit den günstigen Restaurants mit und so entwickeln sich im Lauf der Zeit kleine Ausgeh-Oasen für Einheimische, wo man sich vorher kaum hingewagt hätte.

So geschehen im Falle der Calle Torneo samt Verlängerung: galt dies lange Zeit als eine nicht sonderlich gute Ecke, haben hier durch die Modernisierung eine ganze Reihe guter Bars und Restaurants eröffnet, in denen die Einheimischen Schlange stehen, um von kurzhosigen Touris und deren Entsetzen über „zuviel Fett“ unbehellligt ein leckeres Essen einnehmen zu können. (mehr …)

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Alle Weihnachtsliebhaber mögen mir verzeihen, aber dieses Fest ist wahrlich nicht mein liebstes. Allein, die typischen Süßwaren haben es mir dann ja doch angetan. Und selbst in spanischen Bäckereien, deren Backwaren mir sonst zu pompös, schaumig-sahnig-eischneeig sind, tauchen ab Herbst Leckerlis auf, die mich zum Kauf reizen. (mehr …)

Architektonisch ist die Calle Sinai keine Straße, in die sich ein Touri mit seinem Reiseführer der Optik wegen hinverirrt. Aber kulinarisch ist die Straße, die etwa parallel zu Luis Montoto führt, das absolute Mekka. Es gibt diverse Bars und in allen scheinen die Köche ihr Handwerk mit absoluter Hingabe zu vollführen. Sei es im etwas größeren Restaurant oder in unsrer Soap-geeigneten Stammkneipe „la Sacristía“ (hier unbedingt den Vino Dulce probieren; zur Erleichterung: die Dame hinter der Theke heisst Patricia): das Essen ist frisch, superlecker und man bekommt einige Gerichte, die woanders einfach nicht serviert werden. Für Menschen, die nichts lieber als Fleisch essen, befindet sich dort (Ecke an Ecke mit der Sacristía) zum Beispiel auch ein Laden, den ich als „Rippchen-Grill“ übersetzen würde, der in Wahrheit aber auch geschmorte Putenschenkel und allerlei Braten im Programm hat. Vor allem macht er aber die beste Sauce zu Patatas Bravas. Und die eingelegten Rote Bete sind auch ganz hervorragend. Nicht zu vergessen das Casa Paco, siehe hier.

 

Mein erster Kontakt mit der Calle Sinai war gleich sehr lehrreich: von einer Freundin hatte ich per Telefon den Treffpunkt erfahren und da sie als in Spanien lebende Schottin die Aussprache nicht so genau nahm, war bei mir „wir treffen uns in la christia“ angekommen. Nun muss man wissen, dass diese Straße zwar zentral, doch weitab der Festbeleuchtung des nahe gelegenen Einkaufszentrums Nervion Plaza liegt. Vielmehr gelangt man zu ihr, wenn man sich durch kleine Querstraßen schlängelt, in denen es einige unheimliche Ecken gibt. Dort angekommen ist man erstmal ratlos: eine Bar hier, eine Bar dort, jede voller Leute, keine trägt einen Namen. Drum trug ich in einem Kiosk meine Frage nach la christia vor. Das hätte ich besser nicht getan, denn nun folgte ein langer, auf bestem andalusisch gehaltener Vortrag über die Bräuche der katholischen Kirche. Nicht ohne mich vorwurfsvoll anzusehen und mir in Druckbuchstaben SACRISTIA auf einen Zettel zu notieren. Derart vorbereitet konnte ich die kleine Bar nicht mehr verfehlen und bin wie ihre Stammgäste dem Charme des Kochs verfallen. Auf zwei halben Quadratmetern zaubert der ehemalige Schuster Köstlichkeiten der regionalen Küche. Und hat dabei, wenn auch unbeabsichtigt, auch immer etwas Vegetarisches im Angebot. Rund um Weihnachten wird mit einer gemeinsamen Paella gefeiert, was dann in feuchtfröhlichen und sehr lustigen Wünschen fürs nächste Jahr endet.

 

C/Sinai, zu erreichen mit allen Bussen, die zu Nervion Plaza fahren. Gegenüber des Seiteneingang des Corte Ingles liegt eine Filiale der Libreria Beta. Diese Straße bis zu Ende gehen und schon stößt man auf die Calle Sinai. Zur Linken liegt das Casa Paco, wendet man sich nach rechts, findet man schräg gegenüber ein sehr gutes Grillrestaurant und ca 200 m weiter la Sacristia und den Asador.

 

Meine erste Notiz zur Bar Eslaves: Wurde von einer Spanischlehrerin empfohlen. Essen soll sehr lecker sein, die Bar hat erschwingliche Preise. Ist auf jeden Fall immer sehr voll. Wird im Buch Las Mejores Tapas de los Chefs Españoles (Im Deutschen nur Tapas) erwaehnt. Ebenso Casablanca in der C/Zaragoza, supernah an der Pza Nueva. Leider auch winzig. Aber direkt nebendran ist ein Restaurant der gleichen Besitzer. Dort ist eine Voranmeldung unbedingt angeraten.

Mittlerweile habe ich die Bar Eslaves zweimal getestet. Sie haben großartiges Essen und sehr gute Weine. Das Publikum ist ziemlich pijo, sprich Männer mit (im Winter) gebügelten Streifenhemden, Woll-V-Ausschnitt-Pulli und Roy-Black-Frisur, die Damen ebenfalls konservativ in der weiblichen Variante gewandet (hoher Perlenohrringanteil) und wenn man nicht ebenso gekleidet ist oder zumindest auf einen optischen Künstler-Bonus zählen kann, wird man schräg angesehen. Das tut der Qualität des Essens aber keinen Abbruch, die Einrichtung ist auch sehr nett und für deutsche Augen vermutlich mal erholsam „normal“: Blau gestrichene Wand, schlichte Holzregale. Das Essensangebot für Veggies ist gering, aber wer fährt schon nach Andalusien, um die große vegetarische Küche kennenzulernen? (gibts aber auch, zum Beispiel im Madrúgula)

Getestete Gerichte: Spinatstrudel mit einer sehr leckeren Sahnesauce und Delicias de verduras: eine Art gratinierte Gemüsecrme, ebenfalls lecker. Meine Begleiter hatten div. Fisch- und Fleischgerichte gekostet und waren gleichermaßen sehr zufrieden.

Die Weine sind gut ausgesucht, unter anderem servieren sie einen Mantel Bianco, der sehr gut ist: Aromen von Ananas bis Melone, sehr gehaltvoll und gleichzeitig erfrischend.

Scharfe Messer sind das A und O jeder guten Küchenausrüstung. In Deutschland weiss man das so lange, wie man mit neuen Messern viel Geld verdienen kann. Aber wie bekommt man sie wieder scharf? Ein Wetzmesser lasse ich an meine Klingen nicht ran und am liebsten lasse ich sie schleifen. Das ist hierzulande gar nicht so einfach. Doch in Andalusien ist sogar auch in den Städten ab und an noch das typische Flöten zu hören, mit dem sich die Afiladores, die Messer- und Scherenschleifer, ankuendigen. Es hört sich ein bisschen an wie das Papageno-Motiv bei der Zauberflöte.

Waren sie frueher mit dem Fahrrad unterwegs, düsen sie heute mit dem Motorroller durch die Straßen und haben so ihren benzinbetriebenen Schleifstein immer dabei. Leider sind sie sehr selten geworden. Deshalb war ich glücklich, als ich ein Messergeschäft mit angeschlossener Schleifwerkstatt entdeckte. Der Chef des Ladens weiß, was Messer kosten und hat mir meine – teuren – Kuechenmesser denn auch sehr gut und sorgfaeltig geschaerft: das kleine für 2, die großen für 3 Euro. Er und seine Frau sind supernett und, wie hier haeufig der Einzelhandel, auch sehr kompetent. Sehr zu empfehlen.

Der motorisierte Afilador ist übrigens Mittwoch Mittags gegen 12h und Sonntags gegen 15h im Nervión.

Taller de Afilador

C/Feria, am westlichen Ende

a) Pasarela de Azahares, Parallel C/ Gestoso (Nähe Pza Encarnacion)
Ich liebe Ferreterias, und vielleicht dieses Geschaeft ja sogar noch spezialisierter und heisst anders, denn es gibt vor allem Lampen. Hinter der Theke ein in Würde gealtertes Pärchen, die alle Preise auswendig wissen. Sie sind supernett und für meine Leselampe, die ich hier für die Haelfte des Preises in anderen Geschaeften erstand, erhielt ich dann gleich auch noch ein paar Pflegetipps gratis dazu. Ganz toll.
b) Meine Haus- und Hof Ferretería auf der Avenida de la Ciudad Jardín, Ecke Avda Ramón y Cajal. Man kann mit noch so abwegigen Anliegen zum Inhaber und einzigen Mitarbeiter kommen, er hilft immer weiter mit großer Fachkompetenz und viel Verständnis für die anfallenden Probleme. Ganz großes Kino. Muchas gracias por toda su ayuda!

 

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