Essen kaufen


Als ich klein war, hatten wir einen Nachbarn, der mich immer aufzog, indem er trällerte: „Die Julischka, die Julischka aus Buda Budapest, die hat ein Herz aus Paprika, das keine Ruhe läßt!“ Wieviel Wahrheitsgehalt in diesen Worten liegt, sei mal dahin gestellt, doch habe ich das lange für ein albernes Liedchen gehalten und wusste nicht so recht etwas damit anzufangen.

Die späte Erkenntnis kam beim Besuch der großen Budapester Markthalle, die schon rein architektonisch unbedingt auf der Besuchsliste stehen sollte: (mehr …)

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Sagenumwoben geistert die Mär der legendären Ostschrippe durch die Lande. War sie wirklich so viel besser, authentischer, lockerer, leckerer? Testen lässt sich dies in der Feinbäckerei Gabriel, einem höchstcharmanten Bäckerlädchen in Pankow. Vor der Tür ein Tisch und vier Stühle, drin nochmal so viele Sitzgelegenheiten und gleich Rechterhand des Eingangs die aquariumgleiche, recht eckige und damit sehr antiquiert-charmante Theke. Das Glas trennt uns von zig Sorten Kuchen und Teilchen, alle mit Liebe und Hingabe gefertigt, wenn auch nicht so auf Optik und Style getrimmt, wie das derzeit so gern gemacht wird. Nicht, dass ich den französisch-englischen Blümchenstyle nicht mögen würde, aber die Einfachheit der Feinbäckerei ist erfrischend.

An der Wand dahinter sind die Brotregale angebracht, auf Tischhöhe stehen Körbe voller frischer Brötchen: handgeschliffene Schrippen, die aussen leicht matt aussehen und für unser hochglanzverwöhntes Auge erstmal drüsch wirken mögen. Doch sie sind alles andere: beste elastische Konsistenz, fluffig und irgendwie echt. Für Antipuristen gibts auch Sesam-und Mohnbrötchen, zusätzlich alle Körner-Bindestrich-Brötchen, die man sich vorstellen kann. Alles handgeschliffen, ideal gegangen und gegart. Mein absoluter Favorit sind die Buchweizen-Brötchen: in keiner anderen Bäckerei habe ich sie bisher gefunden, was ein Wunder ist. Denn der hohe Lecithin-Gehalt des Buchweizen wirkt lockernd wie Eier. Sein besonderes Aroma macht die Brötchen zu idealen Begleitern für standfeste Käse, aber auch für Marmeladen aus Früchten mit Standing. Ganz großes Kino.

Feinbäckerei Gabriel
Florastr. 34
Pankow (Höhe Florapromenade)
Öffnungszeiten: wie früher – bis 18 Uhr, Samstags bis 12.

Gute Bäcker sind selten. Umso schöner ist es, wenn man ab und an einen entdeckt, der noch in der eigenen Backstube produziert und dabei leckere Brötchen, Brote und Kuchen backt. Wem es als Bonner nach Endenich zu weit ist, der hat auf der anderen Rheinseite eine Alternative: Bäckerei Dorfinger in Sankt Augustin. Ein bisschen Engagement kostet es schon, sich aufs Rad zu schwingen und fast bis Augustin-Zentrum in die Uhlandstraße 5 zu radeln. Doch lohnt es sich allemal, sich das kleine Haus mit dem flachen Verkaufslokal aus den fünfziger Jahren als Brötchenziel anzustreben. Neben den ganz hervorragenden normalen Brötchen sind besonders die Mohn-Röggelchen als Spezialität zu empfehlen. Wer sicher gehen möchte, dass bei Ankunft auch noch welche da sind, sollte vorher anrufen: 02241-21168.

Brot begleitet ein spanisches Essen wie das Wasser den Espresso: ohne fehlt was . Entsprechend gibt es auch im kleinsten Laden frisches Brot zu kaufen. Was besonderes ist das dann meist allerdings nicht und gute Bäckereien mit einer schönen Auswahl und wirklich hausgemachten Backwaren sind selten. Eine dieser Ausnahmen bildet der Horno San Bruno in der C/Feria 87 und 94 in Sevillas Stadtteil La Macarena. Der Laden ist winzig und im Gegensatz zu vielen anderen Hornos kann man dort weder sitzen und Kaffee trinken noch irgend welche anderen Speisen außer Brot und Kuchen erwerben. Dafür gibts dort die ganze Palette der Sevillaner Brotspezialitäten sowie einige außergewöhnlichere Brote wie „pan de miel y naranjas“ (auf Bestellung). Besonders gerne mag ich Molletes, das sind flache, nur sehr kurz gebackene fladenähnliche Brote, die sich aufgeschnitten ganz wunderbar für Tostada eignen. Der Horno San Bruno führt sie „klassisch“, also aus weissem Mehl, aber auch aus Vollkornmehl und zusätzlich in der Familienvariante: etwas kleiner, dafür mehr an der Stückzahl. Denn Molletes kauft man hier in der Regel im Fünferpack. Ich empfehle sehr, sie sofort einzufrieren und bei Bedarf auzutauen und aufzubacken/-toasten, sonst werden sie schnell trocken. Wenn man sie dann ordentlich mit Olivenöl beträufelt und mit Tomatenmus bestreicht, ist das ja aber auch nicht so tragisch.

Horno San Bruno
C/Feria 87 y 94
41002 Sevilla/ La Macarena

(Karte )

Tlf. 0034-954903881

Wenn man all die Beiträge über die derzeit so hippen Kochshows liest, erfährt man vor allem eins: dass in jedem Menschen ein tiefes Bedürfnis inne zu wohnen scheint, das uns an den gemeinsamen Herd zieht, auf dem in einem riesigen Topf die Suppe für den ganzen Stamm köchelt. Und weil heutzutage der Stamm nicht mehr gemeinsam isst, schaut man sich das Brodeln der Miraculixe halt im Fernsehen an.

Diese Zeichen der Zeit hat der Besitzer des münsteraner Gemüselädchens Peperoni auf der Wolbecker Straße 24 schon längt erkannt: Mit persischer Weisheit bereitet Djahan wochentäglich ein schmackhaftes Mahl in einer großen Pfanne, aus der dann jeder Hungrige für fünf Taler sein Bäuchlein füllen darf. Die Büffel und Mammute bleiben dabei vor der Tür: der Mittagstisch ist pur vegetarisch.
Wem die Plat du Jour nicht gefällt oder mehr Lust auf kalte Köstlichkeiten hat, wird zwischen Couscous-Salat und eingelegten Artischocken bestimmt auch glücklich. Für den Nachtisch stehen orientalische Süßigkeiten und Trockenfrüchte aller Art im Angebot. Und wer vom Stammeserlebnis beschwingt und inspiriert fühlt, abends zuhause den Kochlöffel zu schwingen, kann bei Peperoni zusätzlich alle frischen Zutaten erwerben.

Auch wenn abends die Küche kalt bleibt, wird dennoch zum heimeligen Abend geladen: Mal wird Jazz gespielt, mal Märchen erzählt und auf traditionellen Instrumenten auch musikalisch orientalischer Flair in das liebevoll dekorierte Ladenlokal geholt.

GemüseSkulptur: Peperoni
Wolbecker Straße 24
48155 Münster
(0251) 664020
www.gemuesekultur.de
Öffnungszeiten: Mi-Fr 9-20 Uhr; Sa 9-18 Uhr

Es gibt wohl wenige Süßigkeiten, an denen sich die Geister so sehr scheiden wie an Lakritz. Ein schwarzer Himmel auf Erden für die einen, erinnert es die anderen an Hustentee, wenn sie es überhaupt essen können. Auch national scheint es Vorlieben zu geben: süß und weich in Deutschland, eher hart und oft auch salzig und/oder sauer in den Niederlanden, al dente und doch süß in Italien.

Die komplette Palette bieten in Berlin mittlerweile mehrere Läden zu Probe an. Einer davon ist lecker-lakritz.de, der derzeit auf verschiedenen Wochenmärkten (u.a. Maybachmarkt) vertreten ist. Im Angebot ist süßes und salziges Lakritz mit und ohne Gelatine, aus konventionellen und aus Biozutaten und es gibt sogar Lakritz für Gluten-Allergiker. Auch kado in der Kreuzberger Gräfestraße lässt die Herzen der Liebhaber des schwarzen Goldes höher schlagen.

Wer je in Bonn gelebt hat, weiss, wie intensiv Lakritz riechen kann (von der Haribo-Fabrik weht bei günstigem Wind die volle Ladung einmal über die Stadt), doch wer weiss schon, wie es hergestellt wird? Wie ein ausführlicher Artikel in der Dezember-Ausgabe (7-12/07) von „Ernährung im Fokus“ beschreibt, werden frische Süßholzwurzeln zerkleinert und dann mit Hilfe von Wasserdampf über Tage hinweg ein dickflüssiger Saft extrahiert. Dieser wird dann fast zwölf Stunden lang eingekocht und schließlich zu Pastillen, Stäben oder Schnecken geformt. Weich wird dieses pure Lakritz erst durch den Zusatz von Naturharz oder, im Falle der hierzulande beliebten Varianten, von Gelatine und ähnlichen Zutaten. Wer es lieber pur möchte, fährt dafür am besten nach Kalabrien – oder schaut mal beim Stand von Lecker-lakritz vorbei.

Der Artikel in der eif ist hier zu beziehen; leider ist er derzeit nicht über das Archiv zugänglich.

„Menschen ohne Seele kaufen Dinge ohne Seele“, singt Jan Delay – und im Umkehrschluss heisst das doch eigentlich, dass mit Seele kauft, wer eine hat? Für alles Kulinarische gilt dies allemal. Ganz besonders beseelt hat mich gestern der Genuss dreier Knödel, die ich bei Leo Bettini erwarb und dann als samstäglichen Mittagssnack verspeiste. Ent-zük-kend! würde meine Freundin A. ausrufen und dies mit sehr französischen Gesten unterstreichen.

In einer weissen Pappbox, im Design dem Asia-Takeaway entlehnt, kuschelten sich je ein Semmel-, Bergkäse- und Tomate-Mozzarella-Knödel aneinander, freundschaftlich verbunden durch geschmolzene Butter und Parmesan. (mehr …)

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