Ist das ihr Ernst?


„süßwaren mit milch die es nicht gibt“. Wie? Doch, genau so hat jemand neulich gegoogelt und kam dabei auf meinen Blog. Fragt mich nicht wie, ich wüsste nicht, dass ich das irgendwo geschrieben hätte. Geht man nach den weiteren Sucheinträgen, erlebt das Boccondivino derzeit seine Blütezeit, ist das Café Fleury allseits beliebt und muss sich die Cucina Casalinga Populare-Crew nun wirklich keine Sorgen machen. Auch Kokosmakronen werden offensichtlich gerne gegessen und wer noch nicht bei Mustafas Gemüse-Döner war:also dann nix wie hin bitte (sie machen etwa um 3 Uhr morgens Schicht). Wie war das Leben langweilig ohne Suchstatistik!

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… so hin und wieder, da kann man das sogar sehn! Was für Christiane Weber gut ist, kann für die Marheineke-Markthalle im Kreuzberger Bergmannkiez nur Recht sein, müssen sich die Betreiber gedacht haben und werkelten, schraubten und sägten, was das Zeug hielt.

Viel kritisiert und  höchst skeptisch beäugt präsentierten sie ihr Ergebnis am vergangenen Samstag der Öffentlichkeit. Und, was soll ich sagen: die Kritiker haben so unrecht nicht. Oder salopp: knapp vorbei ist auch daneben. Denn was der Einbau der lichten hohen Glastüren versprach, was die so lange hantierenden Handwerker halbwegs vermuten ließen, das wurde nicht wirklich erfüllt.

Die große Halle wirkt jetzt wie eine eher gewollt als gekonnt vollgestellte Mehrzweckhalle mit gapelstaplerfestem Bodenlack, eingeteilt in Parzellen und dies durch Plexiglas-und Mdf-Marktstände, denen ein bisschen mehr Charme gut getan hätte.

War es auch am Eröffnungstag voll, so verliefen sich schon heute, drei Werktage später, nicht mehr viele Menschen in die heiligen Hallen. Man kommt sich ohne Menschenmenge reichlich verloren vor, weiss nicht so genau, ob das, wonach man beim Verlassen riecht, asiatisches, türkisches oder griechisches Fritierfett ist, und ist angesichts der nicht wirklich charming Atmosphäre ratlos,weshalb man mehr als auf dem schönen Chamissoplatz für seinen Käse oder das dort wirklich frische und sehr viel vertrauensvoller biologische Gemüse zahlen soll.

Wenn man sich all das wegdenkt, wenn man nur von außen auf den Bau schaut und sich überlegt, was eine Markthalle für einen Stadtteil bedeutet, was sie gar für die ganze Stadt sein kann -dann wird man ein bisschen nostalgisch und noch mehr melancholisch, denn sie hätte schön werden können. Ohne das Innere ist sie es sogar – und am Ende kann man sich darüber freuen, dass Markthallen als urbane Kommunikationspunkte wenigstens versuchsweise geschaffen und erhalten werden.

Ein gutes Haar muss ich belassen: mein Lieblingsschuster, bester, günstigster, kompetentester stadtweit, hat in der Marheineke-Halle auch wieder Quartier bezogen. Deshalb werde ich mindestens ab und an dort Kundin sein.

Wach ich oder träum ich? Wenn man die Werbung der FAZ sieht, könnte man ja schon meinen, dass der kluge Kopf dahinter es genau deswegen ist, weil man hinter dieser  Zeitung prima poofen kann. Wenngleich schlaftrunken, war ich heute morgen aber doch irgendwie wach, als ich in meiner geschenkten FAZ-Ausgabe von Firmen las, die on demand produzieren. Neu ist das ja nicht. Schon irgendwie neu ist aber, dass das jetzt auch bei Lebensmitteln der Fall ist: Man kann sich jetzt auf Mymuesli.com ein individuelles Müsli zusammenstellen und dieses einmal oder im Abo beziehen. Ist das jetzt Fast- oder Slowfood? Oder kommt das dann -Achtung Kalauer – auf den Zustelldienst an? Ich finds jedenfalls sehr kurios, denn so speziell können Müsliwünsche doch gar nicht sein, dass es nicht ausreichen würde, sich im Biolädle ein paar Packungen zu besorgen. Dachte ich immer. Auf jeden Fall ne lustige Idee.

Strahlender Sonnenschein am letzten Wochenende lockte mich trotz Erkältung nach draußen. Ziel war der Müggelsee mit einer Einkehr in der Köpenicker Altstadt. Ich war vorher weder an dem einen noch dem anderen Ort gewesen, hatte nur bestes gehört und von meinem Begleiter nochmals wärmstens ans Herz gelegt bekommen. Die Versprechen wurden gehalten; der See ist ganz großartig und man kann auf einem sehr gut ausgebauten Radweg einmal rundherum fahren. Direkt an der Fähre (die von Anfang Oktober bis Ende März Winterpause hat!) unterquert man die Spree, das fand ich etwas gruslig. So stelle ich es mir in einem Unterwassersarg vor. Na gut, vielleicht auch nur in einem U-Boot. Die Restaurationen rund um den See sind etwas „ostig“, aber die Köpenicker Innstadt hat mein Herz gleich gewonnen: (mehr …)

Als ich ungefähr zwölf war, wurde in den damals noch wenigen Programmen (ok, wir hatten tatsächlich schon Kabelfernsehen) immer sonntags eine Sendung ausgestrahlt, die sich da nannte „Essen wie Gott in Deutschland“. Dabei wurde in immer die selbe sterile Küche ein Sternekoch (Köchinnen gab es damals noch weniger) importiert, der ganz der Kunst der Nouvelle Cuisine fröhnte. Ich möchte diese – wenngleich nur optisch und akkustische – kulinarische Erfahrung nicht missen, hat sie mich doch stark geprägt und auf den Weg des foodie und all-edible gebracht. Trotz alledem erinnere ich diese Sendung als etwas steif und steril, waren doch die Zutaten stets schon vorbereitet und die Köche stark gehemmt.

Auf dieser Retro-Linie schwimmt das schweizer Fernsehen mit seiner „l’École des Chefs“: Wieder ein Sternekoch, wieder vorbereitete Zutaten in total unrealistisch gestylten und teuren Porzellanschälchen. Also bitte, welcher Profi tüddelt denn mit diesen Schüsselchen rum? Jedenfalls aber wird diese Sendung von zwei Moderatoren „durchlebt“, die nichts besseres zu tun haben, als Muppetshow zu spielen und sich wie die beiden älteren Herren auf dem dortigen Balkon anzupflaumen und schlappzulachen. Die kleine Übung Schokotörtchen an Mangosauce inszenieren sie als lustigen Staatsakt und bringen mit ihrer -selbstredend vorgetäuschten- Tolpatschigkeit selbst den zunächst bierernsten Chef de Cuisine zum Lachen.

Es ist schon lustig, dass in einer international so bejubelten Stadt wie Berlin („el ùnico sitio para vivir“ „I really do have to come back and spend some months there“ etc) scheinbar dennoch einige Highlights fehlen. Zumindest aus Perspektive des Economist im August-Newsletter. Was sie monieren? Dass es hier so wenige Skyskraper gebe und so wenige spektakuläre Panoramaviews, die öffentlich, sprich per Restaurant zugänglich wären. Als Hoffnungsschimmer empfehlen sie deshalb das Hugos im Intercontinental West. Tja, ähem, räusper- ist es nicht erstaunlich, wie auf diese Weise das Vorurteil über den interessanten britischen (noch schöner wärs: amerikanischen) Geschmack bestätigt wird?  Wer in aller Welt käme hier auf die Idee, die geringe Dichte an Hochhäusern als Nachteil zu sehen? Und wie sehr fokussiert (und worauf?) muss ein Blick sein, um dies zu bejammern, anstatt die zahlreichen wundervollen Aussichten auf Seen, auf Kanal und Spree, auf Parks und Gartenanlagen zu besingen? Ich versteh die Welt nicht mehr …

Nachtrag als Prolog (März 07):
Der Kontakt im Hauptgeschäft war derart abstoßend, dass ich bei Weine und Vinos nicht mehr einkaufen werde. Es ist nicht Job des Kunden, die internen Verbuchungen und Gutschriftenwege zu kennen und es ist eine Unmöglichkeit, die eigene Unfähigkeit unter Vorwürfen an den Kunden zu verstecken. Ich bin verärgert und schockiert und streiche den Laden hiermit von meiner Empfehlungsliste.
Aus archivarischen Vollständigkeitsgründen belasse ich meinen bisherigen Eintrag im Blog: (mehr …)

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