Wein & Geistreiches


In bauchigen Gläsern blubbern bunte Flüssigkeiten, es riecht geheimnisvoll und bei all den Apparaturen, Schläuchen und Kupferkesseln fühlt man sich in eine Hexenküche versetzt. Wir sind in der Berliner Likörfabrik, in einer der oberen Etagen eines alten Backsteingebäudes auf dem Gelände der Universität. Genauer: in den ehemaligen Räumlichkeiten der ehedem universitätseigenen Brauerei, heute zugehörig zum Institut für Gärungsgewerbe. (mehr …)

Auch wenn mich manche nun der Hofberichterstattung rügen werden: Le Charreau ist und bleibt für mich der beste Laden in Bonn und an sich für französische Weine. Und dies zudem mit einem unglaublichen Preis-Leistungs-Verhältnis: Es gibt dort ein Fläschchen für jeden Geldbeutel, und anders als bei anderen Läden schmeckt der günstigste Wein dort schon so gut, dass man sich mit Vergnügen hocharbeitet.

Le Charreau bietet Weine aus ganz Frankreich (ein bisschen E, I und D ist auch dabei), das Angebot konzentriert sich aber auf Süd- und Südwestfrankreich. Die Philosophie ist eindeutig: Authentische Weine engagierter Winzer. Diese sind manchmal so engagiert, dass sie sich ab und an auf den Weg nach Bonn machen, ein paar ihrer Schätzchen oder Neukreationen und gerade abgefüllten Weine mitbringen und sich gerne auf ein informatives Schwätzchen einlassen.
Wer viel Geld ausgeben möchte, braucht ein bisschen Geduld und Überredungskunst: der Inhaber trennt sich (angesichts der Qualität ja nur verständlich ;-)) ungern von seinen Weinen.

Le Charreau
Kreuzstr. 16 (neben Brotfabrik)
53225 Bonn-Beuel
Tel/Fax +49 (0)228 97 20 654
Mobil +49 (0)170 21 25 714

www.le-charreau.de

Öffnungszeiten:

Mo, Di, Do 15-19
Fr 12-19

S’Ländle stellt seine Weine vor und dies wagemutig im oenologischen Entwicklungsland Berlin: da muss ich hin. Veranstaltungsort ist der Flughafen Tempelhof, so kurze Wege habe ich selten. Leider ist nicht rauszubekommen, ob man Eintritt entrichten muss und wenn ja, wieviel. So hat das ganze ein bisschen was von Abenteuer, aber das wohnt schließlich dem gesamten Event inne.

Wenig mehr Infos hier.

Edit: Leider hatte ich keine Zeit für einen Besuch. Aber ist es nicht interessant, dass selbst im Nachgang fast nichts über diese Messe zu finden ist? Mein Blogeintrag ist in Google weiterhin auf Platz 4, wobei bei den Links davor kein Wort über die Messe steht. Gibts irgendjemanden, der dort war?

Prolog: Wer neu nach Berlin kommt, bleibt nicht lange verschont davon, dass man hier nicht wie sonst üblich nach dem Namen gefragt wird und dann die „Und was machst du so?“-Frage beantworten muss. Ach wo! Hier gehts um elementarere Dinge: wichtig ist allein der Stadtteil, in dem man wohnt. Das ist Karla, sie wohnt in Kreuzberg. Dies ist Stefan aus Schöneberg, Petra vom Prenzlberg und Mimi aus Mi-Mi-Mi —- ich mags gar nicht schreiben, denn irgendwie gibt es verbotene Stadtteile. Und ich meine nicht Neukölln, das ist Pillepalle, ich meine das zentrale Areal der Stadt, ihr wisst schon, äh, na gut, nennen wir das Kind beim Namen: es geht um Mitte.

Mitte ist ein bisschen wie Robbie Williams und Nena: keiner darf die beiden oder gar ihre Musik gut finden, aber irgendwie hört sich doch jeder ganz gern. Hej, ist echtn cooler Typ der Robbie. Naja, und solche Robbies gibts halt auch als Kneipen und Restaurants in Mitte – schon stylisch, aber doch irgendwie ganz normal . Und zusätzlich gibts auch Kleinode, die schon fast als Geheimtipp durchgehen, weil sie so offensichtlich im verbotenen Bereich liegen, dass man schon wirklich absichtlich hingehen muss.

So lang ist also eine Vorrede, wenn ich meine, dass ich mich für die Lage meiner derzeitigen Lieblingslocation entschuldigen muss: (mehr …)

Hochzich feire hieß es – und wo kann man das als Kurpfälzin, die einen Schwaben ehelicht, besser als in einer Besenwirtschaft, in der es reichlich Trollinger gibt? Genau, nirgendwo besser als im Remstal. Und weil man aber auch nicht irgendwo hinwill, hat man sich das Weingut Dobler in Beutelsbach ausgesucht, das einen hervorragenden Chardonnay produziert, einen hochinteressanten Rosé und einen Trollinger-Zweigelt, der auch nicht von schlechten Eltern ist. Der Besen – außerhalb der Bewirtschaftungszeit dann halt die Probenstätte – ist bequem mit der S-Bahn zu erreichen.

Alles weitere unter: http://www.weingut-dobler.de

Gerne kauft man dort im Tale auch im Weingut Karl Haidle, das seit Jahren hochdekorierte Weine erzeugt, so zum Beispiel den Stettener Pulvermächer, Riesling Kabinett trocken, probiert als Jahrgang 2005: bei so einem Tröpfchen kann selbst ich mich mit Riesling anfreunden, wenn diese Rebe sonst ja nicht so mein Fall ist.

Ein Wein für eine Feier sollte es sein, nicht zu teuer entsprechend, da das bei einer Gesellschaft mit vielen Leuten ja eh nicht ausreichend gewürdigt werden kann. Aber auch keine Plörre. Noch nach Ladenschluss ließ man mich bei Paasburg ein, beriet mich trotz laufender Veranstaltung und empfahl Domaine de Bisconte, Côtes du Roussillon, 2005. Ein „toller“ Wein sei dies, ein „großartiges Preisleistungsverhältnis“. Abgesehen davon, dass der Wein anderorts 2 Euro billiger verkauft wird, habe ich mein Lehrgeld reichlich gezahlt: der Wein ist okay, aber das Geld nicht wert. Und von toll kann keine Rede sein, auch nach einer Stunde Luftkontakt nicht. Flach, kurz, ein bisschen Tannin, immerhin wenig Säure. Lakritznoten – aber sonst nicht viel. Tja. Hätte man ihn mir als günstigen Vino aus dem französischen Supermarkt verkauft, hätte ich das auch geglaubt. Nur hätte ich dann nicht so viel Geld ausgegeben. Schade, denn auf die Beratung bei Paasburg habe ich bisher viel gegeben.

Zum Glück hatte ich bei Montparnasse noch zwei Flaschen Syrah von Les Fontanelles mitgenommen. Der ist wirklich verlässlich gut.

Nachtrag:
Zwei Tage später war der Wein gut trinkbar, man könnte ihn sogar als lecker bezeichnen. Aber wann weiß ich schon zwei Tage im Voraus, ob und welchen Wein ich trinken werde?

Frankreich, Land der Weintrinker: wer so viel länger Erfahrung mit diesem flüssigen Trank hat, ist uns auch in Punkto Günstigweine um einiges voraus. So bietet die Kette Nicolas neben vielen hochwertigen und entsprechend teureren Weinen seit Jahren eine Edition mit dem Namen les petites récoltes (wörtlich: die kleinen Ernten) an.

Wie klein die Erntemengen wirklich sind, wird nicht offenbar. Immerhin ist auf den meist transparenten Flaschen auf buntem Etikett die regionale Herkunft verzeichnet, die angibt, ob der Vin de Pays von den Côtes du Thongue, von den Cotes d’Orange oder einem so schön klingenden Ort wie „la vallée du paradis“ stammt. Die Weine selbst sind einfach und sollten jung getrunken werden, bieten aber für den sensationellen Preis von 2,80 Euro (früher zwischen 5 und 8 Francs!), ein durchaus passables Trinkerlebnis mit differenzierbaren Aromen.

Der „Paradieswein“ hatte starke Anklänge von Schwarzkirsche und Heidelbeere und ließ sich zum Pastagericht hevorragend verzehren. Zu den Rotweinen kann ich grundsätzlich guten Gewissens raten, mit den Weissweinen habe ich allerdings weniger gute Erfahrungen gemacht. Nicolas hat zusätzlich eine leicht teurere, sortenreine Reihe im Angebot, die aber weder den Aufpreis noch den Kauf an sich rechtfertigt: sie schmecken (mir) schlichtweg nicht.

Filialen in Straßburg: Auf der Grande Rue, auf der Rue d’Austerlitz und in einer Querstraße der Kathedrale. Nicolas ist auch in Belgien und in UK vertreten, die Weine sind in diesen Ländern aber um einiges teurer.

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